Willkommen

Frederik D. Tunnat © by David van Bergum, Edition Vendramin

Willkommen auf meiner Webseite! In meinem Blog finden Sie Artikel zu mehr oder minder aktuellen Themen. Ferner  Informationen zu meinen Büchern und über mich.
Im Mai 2022 erfolgte die Veröffentlichung meines neuesten Buches über den bedeutenden Mainzer Kunstschreiner Wolfgang Knußmann. Das Buch ist im Buchhandel, wie Online bestellbar.

Mit Mottos ist das so eine Sache. Sie passen manches Mal ganz ausgezeichnet – aber nur zu einer bestimmten Zeit, in einer bestimmten Lebensphase – zu uns. Bei sog. Lebensmottos werde ich misstrauisch. Ein einziges Motto für unser ganzes Leben? Das kann bei all unseren Entwicklungen und Lernprozessen, denen unser Denken, Fühlen und Handeln im Lauf eines Lebens nun mal ausgesetzt ist, meines Erachtens nicht gut gehen. Wenn ich dennoch dieses Motto des deutschen PEN Präsidenten Hermann Kesten, der wie zahlreiche seiner Kollegen und jüdischen Glaubensbrüder vor dem Nazi-Terror ins Exil fliehen musste, gewählt habe, dann, weil es geradezu idealtypisch in wenigen Worten etwas zusammenfaßt, was für einen Schriftsteller wie mich, in fortgeschrittenem Alter,  als Quintessenz eines nicht nur, aber überwiegend künstlerischen Lebens wichtig war und ist: “Ich halte es für eine Selbstverstümmelung, wenn ein Künstler sagt, er wolle nur durch das künstlerische Wort wirken. Wir alle wirken durch unsere ganze Existenz, mit allem, was wir sind, können und wollen, mit unserem ganzen moralischen und künstlerischen und ästhetischem Gewissen und mit unseren Gesamtleistungen” (Hermann Kesten)

Als Autor in der heutigen Zeit muss man sich aus meiner Sicht zudem politisch wie sozial engagieren. Man darf nicht in einem Elfenbein-Turm sitzen, und sich nur mit seinen literarisch-künstlerischen Themen befassen. Angesichts der sich verschärfenden politisch-sozialen Probleme unserer Gesellschaft, hat aus meiner Sicht jeder Autor die Pflicht, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für die brennenden politischen und sozialen Themen zu engagieren. Dürrenmatt äußerte sich skeptisch zum politisch-sozialen Engagement eines Schriftstellers: „Ein Schriftsteller kann die Welt im besten Fall beunruhigen, im seltensten Fall beeinflussen, verändern nie“. Da mag er recht haben; dennoch enthebt das meines Erachtens keinen Autor seiner moralischen Verpflichtung, sich zu äußern, zu engagieren und klar Position zu beziehen. Heinrich Böll war weniger skeptisch und vorsichtig als Dürrenmatt. Böll meinte: „lch halte das [politisch-soziale Engagement] fast für selbstverständlich, besonders für einen Schriftsteller. lch glaube, daß der Schriftsteller, der sogenannte freie Schriftsteller, eine der letzten Positionen der Freiheit ist. Wo die Freiheit bedroht ist, ist die Sprache bedroht und umgekehrt. Die Bedrohung fängt immer mit Sprachregelungen an, und als zweite kommen dann die bildenden Künste an die Reihe. Es gibt verschiedene Stufen der Aktualität, des Eingreifens, des Engagements“.

Nun ändern sich durch die Digitalisierung aktuell nicht nur die Arbeitsbedingungen für Autoren, teils dramatisch; auch der Stellenwert des Schriftstellers innerhalb der Gesellschaft hat sich verschoben. Die neuen technischen Möglichkeiten lassen auf der einen Seite die Bedeutung und den Stellenwert der Verlage schrumpfen, zerbröseln zugleich die traditionellen Aufgaben und die gesellschaftlich-soziale Stellung der Autoren. All das wirkt auf mich als Autor ein und zeitigt in der einen wie anderen Weise Auswirkungen. Zum Themenkomplex habe ich mehrfach Stellung bezogen, sei es in Form von Aufsätzen oder thematischen Beiträgen, aber in Form von Interviews, Vorträgen, sowie anlässlich fachlicher Diskussionen. Einiges davon findet sich auf meiner Webseite.

Um ein Motto, wie das von Kesten mit Leben zu erfüllen, genügt es nicht, es gleich einer Fahne, eines Wimpels, vor sich her zu tragen, oder es der schönen Worte halber zu zitieren. Ein Motto ist erst dann ein Motto, wenn man versucht es mit Leben zu füllen, sprich nach den im Motto postulierten Normen und Werten zu handeln, zu agieren und zu leben. Angesichts unser aller menschlicher Unzulänglichkeiten, ein hehres, forderndes, anstrengendes Unterfangen, dem ich mich seit vielen Jahren gern stelle.

Herzlichst Ihr

Frederik D. Tunnat
Freier Schriftsteller im Verband deutscher Schriftsteller/innen

 

 

 

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