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Ich halte es für eine Selbstverstümmelung, wenn ein Künstler sagt, er wolle nur durch das künstlerische Wort wirken. Wir alle wirken durch unsere ganze Existenz, mit allem, was wir sind, können und wollen, mit unserem ganzen moralischen und künstlerischen und ästhetischem Gewissen und mit unseren Gesamtleistungen”.  (Hermann Kesten)

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Mit Mottos ist das so eine Sache. Sie passen manches Mal ganz ausgezeichnet – aber nur zu einer bestimmten Zeit, in einer bestimmten Lebensphase – zu uns. Bei sog. Lebensmottos werde ich misstrauisch. Ein einziges Motto für unser ganzes Leben? Das kann bei all unseren Entwicklungen und Lernprozessen, denen unser Denken, Fühlen und Handeln im Lauf eines Lebens nun mal ausgesetzt ist, meines Erachtens nicht gut gehen. Wenn ich dennoch dieses Motto des deutschen PEN Präsidenten Hermann Kesten, der wie zahlreiche seiner Kollegen und jüdischen Glaubensbrüder vor dem Nazi-Terror ins Exil fliehen musste, gewählt habe, dann, weil es geradezu idealtypisch in wenigen Worten etwas zusammenfaßt, was für einen Schriftsteller wie mich, in fortgeschrittenem Alter,  als Quintessenz eines nicht nur, aber überwiegend künstlerischen Lebens wichtig war und ist.

Als heutiger Schriftsteller muss man sich aus meiner Sicht zudem sozial engagieren. Man darf nicht in einem Elfenbein-Turm sitzen, und sich nur mit seinen literarisch-künstlerischen Themen befassen. Angesichts der sozialen Probleme unserer Gesellschaft, hat aus meiner Sicht jeder Schriftsteller die Pflicht, sich im Rahmen seiner Möglichkeiten für einige der brennenden politischen und sozialen Themen zu engagieren. Dürrenmatt äußerte sich skeptisch zum politisch-sozialen Engagement eines Schriftstellers: „Ein Schriftsteller kann die Welt im besten Fall beunruhigen, im seltensten Fall beeinflussen, verändern nie“. Da mag er recht haben; dennoch enthebt das meines Erachtens keinen Autor seiner moralischen Verpflichtung, sich zu äußern, zu engagieren und klar Position zu beziehen.

Heinrich Böll war da weit weniger skeptisch und vorsichtig. Böll meinte: „lch halte das [politisch-soziale Engagement] fast für selbstverständlich, besonders für einen Schriftsteller. lch glaube, daß der Schriftsteller, der sogenannte freie Schriftsteller, eine der letzten Positionen der Freiheit ist. Wo die Freiheit bedroht ist, ist die Sprache bedroht und umgekehrt. Die Bedrohung fängt immer mit Sprachregelungen an, und als zweite kommen dann die bildenden Künste an die Reihe. Es gibt verschiedene Stufen der Aktualität, des Eingreifens, des Engagements“.

Um keinen falschen Eindruck entstehen zu lassen: neben der moralischen Verpflichtung zu politischem wie sozialem Engagement, steht selbstverständlich für einen Schriftsteller sein ureigenes, zentrales Thema im Mittelpunkt seines Lebens und Schaffens. Dieses Leitthema erfährt im Grunde genommen im Lauf des Lebens nur minimale Abwandlungen. Manche Autoren möchten das nicht wahrhaben, doch ihre Bücher und deren Themen weisen es aus. Dahinter steckt nicht Besessenheit, als vielmehr das Interesse an Selbstverwirklichung, die man als Schriftsteller in der Literatur sucht und zu finden hofft. Böll, der um seine eigene Themen-Fixiertheit wusste, lehnte es rundweg ab, sich anderen Themen zuwenden: “Es gibt nicht sehr viele Themen: Kindheit, Erinnerung, Liebe, Hunger, Tod, Haß, Sünde, Schuld, Gerechtigkeit und einige mehr“.

Abseits des “offiziös-offiziellen” Bereichs seines Lebens, das man als Schriftsteller lebt, existiert der persönlich-private. Hier dürfen etwas andere Maßstäbe und Maximen gelten. Privat spielgelt das folgende Motto (nach Jakusho Kwong)  meine Lebensphilosophie: “Es mag seltsam klingen, aber es gibt sehr wenige erleuchtete Menschen, einfach weil sie nicht empfangen können. Wenn wir etwas empfangen, müssen wir alles loslassen, auch uns selbst, denjenigen, der empfängt. Die Dinge zu akzeptieren, wie sie sind, ist ein Verlust. Im Augenblick zu sein ist ein Verlust. In jedem Augenblick unseres Lebens verlieren wir. Was verlieren wir? Wir verlieren unsere Ichbezogenheit, unser Klammern an uns selbst, unsere Vorstellungen und unsere Konditionierung“.



Um ein Motto mit Leben zu erfüllen, genügt es nicht, es gleich einer Fahne, eines Wimpels, vor sich her zu tragen, oder es der schönen Worte halber zu zitieren. Ein Motto ist erst dann ein Motto, wenn man versucht es mit Leben zu füllen, sprich nach den im Motto postulierten Normen und Werten zu handeln, zu agieren und zu leben. Angesichts unser aller menschlicher Unzulänglichkeiten, ein hehres, forderndes, anstrengendes Unterfangen, dem ich mich seit vielen Jahren stelle.
Ihr
Frederik D. Tunnat