zur Person

Wer es bis auf diese Seite geschafft hat, weiß bereits, dass ich Autor bin, mich im Lauf meines Daseins als Schriftsteller auf Biografien und geschichtliche Themen spezialisiert habe.
 
Dass ich als Kind in Norddeutschland aufwuchs, als Jugendlicher in Stuttgart, wäre keiner Erwähnung wert, hätte mich nicht einerseits die norddeutsche Sprache, das dialektfreie Deutsch: andererseits schwäbische Behäbigkeit, gepaart mit dem sprichwörtlichen Hang zu Fleiß und Beharrlichkeit, auf unterschiedliche Weise geprägt, um sich bis heute in der einen oder anderen Form in meinen Büchern nieder zu schlagen. Ohne Jahre in der schwäbischen Metropole verbracht zu haben, wäre mir nie der Name VOLLMOELLER begegnet, folglich hätte ich nie das Bedürfnis verspürt, diesen verkannten, mißinterpretierten, vielschichten Menschen zu portraitieren.
 
Stuttgart war zu meiner Jugendzeit der schwäbische Ableger des damals real sozialistischen Leipzig, zumindest, soweit es sich um die sog. Tradition des Leipziger Buchhandels dreht. Leipzig, bis 1945 das bedeutendste Verlags- und Buchhandelszentrum Deutschlands mit seiner internationalen Buch-Messe, die sich ab 1949 in hessische Frankfurt verlagerte, hatte die Bräuche und Handelstraditionen der Buch- und Verlagsbranche nachhaltig geprägt. Und diese althergebrachte Tradition wurde damals u.a. noch in jener Buchhandlung gepflegt, in welcher ich die Ehre hatte, zum Sortimentsbuchhändler ausgebildet zu werden. Auf den damit verbundenen Gesellenbrief bin ich noch heute weitaus stolzer, als auf mein in London erworbenes Diplom in Business Administration (Betriebswirtschaftslehre).
 
Mein (berufliches) Leben spielte sich somit überwiegend in der Buchhandels- und Verlagsbranche ab. Statt meiner inneren Intention zu folgen, die mir mit 18 riet, die brotlose Kunst als Schriftsteller zu leben, gab ich mich zwei Ausbildungsgängen hin; versuchte mich kurze Zeit als Buchhändler, um festzustellen, dass man von den dort üblichen Hungerlöhnen nicht wirklich existieren konnte. Deshalb wandte ich mich dem besser zahlenden Verlagshandwerk zu. Einige Jahre berauscht von dem, was man beruflich Karriere nennt, begleitet von wohlklingenden Dienst-Titeln, wachsendem Einkommen, Umsatzbeteiligung etc. wollte sich trotz der erreichten leitenden Position und des damit verbundenen Einkommens keine wirkliche Befriedigung einstellen.
 
Erst meine Lebenskrise, die mich etwas früher erwischte, als statistisch gesehen den Rest der Männer, so etwas läuft unter dem neudeutschen Begriff midlife-crisis, brachte mich wieder innerlich zur Besinnung. Eine Auszeit, in einem abgelegenen Kloster auf Mallorca, sowie ein beängstigendes Erlebnis beim Besuch Roms, halfen, mich neu zu justieren und zu fokussieren. Das ging privat zwar mit der schmerzlichen Trennung von Ehefrau und Kindern einher, eröffnete jedoch beruflich endlich die mit 18 erträumte Persektive: Schriftsteller.

Eines der Motive, wenn nicht das entscheidende, weshalb ich schreibe, ist der Wunsch etwas zu erfinden, neu zu erschaffen. Schreiben als eigentlicher, existentieller Antrieb. Gerade weil Schreiben für mich ein Mittel zur Selbstverwirklichung, zur Selbstfindung war und ist, habe ich erst im Verlauf  meiner literarischen Arbeit zum Beruf als Schriftsteller gefunden. Womit ich mich in guter Gesellschaft befinde: Max Frisch war zunächst Architekt, Heinrich Böll abgebrochener Buchhändler und Germanistikstudent, Friedrich Sieburg Journalist und Verlagsmitarbeiter etc.

Gerade weil Schreiben für einen Autor eine berufliche Aufgabe darstellt, hat sie zugleich etwas Amtliches, Bürokratisches. Der Schriftsteller als Beruf und aus Berufung ist seit Thomas Mann selbstverständlich geworden; seit ihm wird Schreiben als ein Handwerk, als vollwertiger Beruf gesehen. Welcher Eigenschaften bedarf ein Schriftsteller, um seinen Beruf ausüben zu können? Fleiß, Interesse an Menschen, ihren Nöten und Problemen, Konzentration, regelmäßiges, nahezu bürokratisches Schreiben. (Jeden Tag, eisern und diszipliniert, über mehrere Stunden)

Max Frisch, dessen lebenslanges Thema die Frage nach Identität war und blieb, von Lug und Betrug, beschrieb seine Überzeugung und sein Leit-Thema als Schriftsteller so: „Jeder Mensch … erfindet sich früher oder später eine Geschichte, die er, oft unter gewaltigen Opfern, für sein Leben hält, oder eine Reihe von Geschichten, die mit Namen und Daten zu belegen sind, so daß an ihrer Wirklichkeit, scheint es, nicht zu zweifeln ist. Trotzdem ist jede Geschichte, meine ich, eine Erfindung und daher auswechselbarWas ich meine: jedes lch, das erzählt, ist eine Rolle. Das ist es, was ich darstellen möchte. Jede Geschichte, die sich erzählen läßt, ist eine Fiktion. Die Wahrheit ist keine Geschichte, sie ist da oder nicht da, die Wahrheit ist ein Riß durch den Wahn … was mich  – und nicht nur mich  – vor allem beschäftigt, nämlich die Entdeckung, daß jedes lch, auch das lch, das wir leben und sterben, eine Erfindung istWas wir in Wahrheit haben, sind Erfahrungen „Erlebnismuster“ Nicht nur indem wir schreiben, auch indem wir leben „erfinden wir Geschichten, die unser Erlebnismuster ausdrücken, die unsere Erfahrung lesbar machen. Dabei glaube ich, und das ist entscheidend für die Möglichkeit der Darstellung: Erfahrung ist ein Einfall, nicht ein Ergebnis aus Vorfällen. Der Vorfall, ein und derselbe, dient hundert verschiedenen Erfahrungen. Offenbar gibt es kein anderes Mittel, um Er-fahrung darzustellen, als das Erzählen von Geschichten: als wären es die Geschichten, aus denen unsere Erfahrungen hervorgegangen sind. Es ist umgekehrt. Die Erfahrung erfindet sich ihren Anlaß“.

Wenn ich nun mein lebenslanges Thema benennen soll, so ist es dies: Erinnerungen. Es hat in der deutschen Literatur eine Anzahl guter Biografen gegeben, denen außer dem eigenen Leben das Anderer oder eines Anderen ebenso wichtig war. Ich denke an Jacob Burckhardt, Stefan Zweig, Richard Friedenthal, Friedrich Sieburg u.a., die ausgezeichnete Biografien geschrieben haben. Alle Genannten haben hervorragende Biografien über andere Menschen hinterlassen. Sieburg hat sich zur Entstehung seiner Chateaubriand Biografie geäußert. Er sagte: „Voraussetzung ist ganz einfach ein lebenslanges Interesse und intensive Beschäftigung mit der Figur. lch habe den Chateaubriand eines Tages gefunden, der ist mir auf meinem Lebenswege begegnet, eigentlich nur als ein Zufall, und das ist also dann in mich gefahren, und von dem Augenblick an habe ich alles gelesen, was über Chateaubriand geschrieben worden ist. Und vor allem habe ich, was vielleicht noch viel schwieriger war, alles gelesen, was er selbst geschrieben hat“.

Ähnliches kann ich über Vollmoeller berichten. Der hat sich mir ebenfalls genähert, erst hab ich ihn abgewiesen. Er schien mir uninteressant, meines Alters nicht gemäß. Dummerweise bekam ich zuerst seine Altergedichte in die Hände, wahrlich keine Lektüre für einen Heranwachsenden. Beim zweiten Annäherungsversuchn nach der Lektüre des Briefwechsels zwischen Rilke und Vollmoellers Schwester Mathilde,  fuhr ich extra ins Literaturarchiv, um möglichst viel über Vollmoeller zu finden und zu erfahren. Da hat er mich dann erwischt, hat mein Interesse geweckt, schon ob der miesen Behandlung, die seinem Nachlass im DLA widerfahren war. Meine Empörung ob des Umgangs mit einem literarischem Nachlass schuf sich Luft, indem ich mir die nicht zu erlangenden Informationen über Vollmoeller wo anders und auf andere Art und Weise besorgen musste. Seither beschäftigt er mich – auf die eine oder andere Weise. Inzwischen mehr im Hintergrund, doch noch immer registriere ich alle neuen Informationen, die mich zu ihm erreichen. Die soeben veröffentlichte erweiterte, bearbeitete Auflage der Biografie beweist es: sie enthält viel Material, das mir erst nach 2008 zugänglich wurde. So oder ähnlich beschäftigt man sich mit seinen Themen, nähert sich ihnen, bearbeitet sie und schreibt über sie.

Seit 2008 habe ich mittlerweile, unter meinem Autorennamen Frederik D. Tunnat, wie unter Pseudonym, insgesamt 29 Bücher geschrieben, von denen bisher 25 veröffentlicht wurden. Das Schreiben der Bücher, speziell wenn es sich um Fach- oder Sachbücher handelt, wie in meinem Fall, ist eigentlich immer der befreiende Schlussakkord des Schreibens. Mühsam und oft von jahrelanger Fleißarbeit geprägt ist dagegen die Phase der stofflichen Aneignung, der Recherche, dem Hinterherjagen nach Informationen, Menschen (z.B. Augenzeugen), der Besichtigung von Orten und Milieus. Das kostet nicht nur sprichwörtlich viel Zeit; neben Geld ist die Währung für derartige Informationen Ausdauer, Beharrlichkeit, Fleiß, und immer auch das nötige Quantum Glück.

Wer von Anderen über mich lesen möchte, der kann den Links folgen:

https://de.wikipedia.org/wiki/Frederik_David_Tunnat

http://swbplus.bsz-bw.de/bsz281138257rez.pdf

https://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.joe-bauer-in-stuttgart-das-vergessene-genie.9989a543-01e2-4176-bd06-6a1ef280fce3.html