Das Déjà-vu des Rassismus

Dieser Tage machte Herr Trump, seines Zeichens allen Ernstes amtierender Präsident der USA, mal wieder durch rassistische Ausfälle der besonderen Art – tief unterhalb jeglicher Gürtellinie – auf sich aufmerksam.  Er forderte aus tiefster, rassistischer Überzeugung heraus mehrere junge, neu gewählte Abgeordnete des US-Kongresses  (es handelt sich bei diesen um vier weibliche Abgeordnete mit Migrationshintergrund) ultimativ auf, statt ihn und seine Regierung zu kritisieren, sich in die Heimatländer ihrer Vorfahren zurück zu begeben. Er sprach ihnen mit seinen rassistischen Tweets nicht nur ihre hundertprozentige Legitimation als demokratisch gewählte Abgeordnete ab; er erblödete sich außerdem, sie wegen ihrer Hautfarbe, ihrer Religion sowie ihres weiblichen Geschlechts zu diffamieren und herab zu würdigen; sie ihres Geburts- bzw. Heimatstaats zu verweisen. 

Das muss man sich einmal auf der sprachlichen, politischen und gesellschaftlichen Zunge zergehen lassen: der mutmaßliche Führer der sog. Freien, westlichen Welt outet sich zum wiederholten Mal als plumper Rassist, der Menschen nicht nur ablehnt und bekämpft, weil sie seinen primitiven, persönlichen Macho-Stil verachten; er hetzt gegen sie, weil sie ausländische, Migrations-Wurzeln haben. Dabei besitzt jede dieser Abgeordneten die US-amerikanische Staatsbürgerschaft; drei der Frauen als gebürtige US-Amerikanerinnen, eine als Eingebürgerte.

Ginge es dem Rassisten Trump tatsächlich um eingebürgerte Einwanderer in die USA, er würde mit seiner Tirade, diese sollten gefälligst in die Ursprungsländer ihrer Vorfahren zurückkehren, sich selbst meinen, als Nachkomme deutscher Einwanderer! Doch sich selbst und alle weißen Einwanderer meint Trump selbstredend nicht, die sind laut seinem Weltbild natürlich ausgenommen von seiner Rückkehr-Tirade. Nur wer die, in Trumps Augen, falsche Hautfarbe oder Religion besitzt, die in seinen Augen falsche Partei wählt oder vertritt, der ist von ihm und seinen jubelnden, rassistischen Anhängern gemeint.

Damit entlarven sich Trump samt Anhängerschaft nicht nur als lupenreine, unverbesserliche verachtenswerte populistische Rassisten; sie werfen damit auch die logische Frage auf, wen genau sie meinen, und wie weit zurück sie farbige, nicht christlich-jüdische Staatsbürger der USA als rückreisepflichtig ansehen.

Wie gesagt, Herr Trump als Nachkomme deutscher Immigranten, müsste wenn er es nicht rassistisch meinte, als einer der Ersten sein Bündel schnüren und zurück ins Land der Vorväter heimkehren. Bloß da will ihn Keiner! Schon seinen Großvater wiesen die deutschen Behörden aus, als er entmutigt aus den USA Anfang des 20. Jahrhunderts in sein Geburtsland zurückkehren wollte.

Allein mit diesem Gedankenspiel führt der sog. Präsident sich selbst und seine Tweets als ad absurdum.  Sollten er und seine kruden Anhänger – darunter viele als „white trash“ bezeichnet – dazu in der Lage sein, und die gesammelten, aktuellen Erkenntnisse aus DNA-Analysen, Archäologie, Geschichte und das daraus resultierende Wissen um die Entwicklung der Menschheit, die zahllosen Migrationswellen, zu denen u.a. jene der Europäer in den von Indianern und Ureinwohnern bewohnten Nord- und Südamerikanischen Kontinent binnen der letzten 4 bis 500 Jahren gehört, dann sollte ihnen ihre absurde Weltsicht auf der Zunge zerschmelzen, ihre eigenen Vorstellungen als gegen sich selbst gerichtete Waffen einen Entsetzensschauer auslösen.

In juristischem Zusammenhang lautet eine Binsenweisheit: „Unwissen schützt vor Strafe nicht“, will sagen, auch wenn man unwissentlich gegen ein Gesetz verstößt, wird der Verstoß gemäß des gültigen Rechts durch Richter und Gerichte dennoch geahndet.  Auf die Rassisten, ihren aktuellen Ober-Guru und Vortänzer Trump gemünzt, auch all ihr Unwissen um ihre eigene Vergangenheit, das Herkommen ihrer Familien – wer von den heutigen Einwohnern der USA kann von sich und seinen Vorfahren behaupten, es handele sich bei diesen nicht um Einwanderer?  – spricht sie nicht frei von ihrem Irrglauben und stellt keine Freikarte für jegliche Form von Rassismus dar. Es bewahrheitet sich dabei die andere Binsenweisheit: „Wer mit dem Finger auf Andere zeigt, zeigt mit den vier anderen auf sich selbst“.

Trump und seine, von ihrer weißen Hautfarbe ebenso trunkenen, idiotischen Rassisten haben noch nicht verstanden, dass sie im Grunde genommen gegen sich selbst, ihre eigenen Familien und ihre eigene Familiengeschichte anwüten, auch wenn sie scheinbar auf die Minderheit der Muslime, Farbigen und aktuellen Einwanderer aus Südamerika abheben.

Gerade in den USA sind DNA-Tests en vogue, fördern, wie teils begeisterte, teils entgeisterte Blogger via Internet posten, erstaunliche Migrationsgeschichten innerhalb der eigenen Familie und Vergangenheit zu Tage. Insofern sollte es ein Gesetz geben, dass speziell sämtliche white supremacy Anhänger wie Trump dazu verdonnert, ihren DNA-Test machen zu lassen, um mit den in ihrer Familienvergangenheit schlummernden „Leichen“ in Form jüdischer, muslimischer, farbiger, in jedem Fall fremder Nationalitäten, konfrontiert zu werden. Es dürfte in zahlreichen Fällen heilsam sein, zu entdecken, asiatische, afrikanische, indische und was auch immer für exotische Vorfahren zu besitzen, deren Schicksal und DNA ihre Nachkommen ebenso geprägt haben, wie ihr „weisses“ Erbe – sicher in den meisten Fällen nicht, um sie heute zu Rassisten und Verfolgern eigener Vorfahren zu machen.

Im Übrigen sollte es ein derartiges Gesetz mit der  Verpflichtung zur damit verbundenen Augenöffnung auch und gerade in Deutschland geben! Ohne Übertreibung bin ich zuversichtlich, mehr als die Hälfte der heute rassistisch, nationalem Denken zuneigenden AfD Anhänger würden erstaunt sein, wie viele von ihnen Migrationsanteile in ihrer eigenen DNA aufweisen.

Ich bin da schon etwas weiter: meine kombinierte genealogische Suche nach meinen Vorfahren hat, in Kombination mit den diversen, derzeit möglichen DNA-Tests überaus erhellende Erkenntnisse erbracht. Dass ich über zahlreiche Vorfahren aus allen Teilen Europas verfüge dürfte die geringste Erkenntnis gewesen sein, denn das spiegelten bereits die vorhandenen Urkunden in Archiven. Doch meine DNA bestätigt eben nicht nur, was die noch vorhandenen Urkunden zurück bis ins hohe Mittelalter zeigen; sie bewies außerdem familiäre Zusammenhänge bis in den zentralasiatischen Raum. Offenbar über die historischen Seidenstraßen, im Zusammenhang mit der mongolischen Invasion, gelangten Vorfahren auf die Krim, von dort ein Teil über Südeuropa, ein anderer Teil über Osteuropa ins damals noch Heilige Römische Reich Deutscher Nation, bzw. ins vom Deutschen Orden besetzte Preußen und Baltikum.

Doch moderner Rassismus kennt, selbst im heutigen, europäischen Kontext keine Schranken. Nachdem ich meinen Wohnsitz ins EU Ausland verlegte, werde ich dort als vermeintlicher Ausländer- Deutscher angefeindet, wie wir es in Deutschland gern mit Immigranten aus anderen Teilen der Welt tun. Dabei haben Teile meiner Vorfahren hier, wo ich heute als vermeintlich Fremder von hiesigen sog. Nationalisten rassistisch angefeindet werde, über hunderte von Jahren, laut DNA sogar mehrere tausend Jahre, gelebt, so dass ich genetisch vermutlich über mehr „landestypische“ Gene verfüge, als zahlreiche heutige patriotische Nationalisten, die eine Mischung mehrerer europäischer Nationalitäten darstellen – aus historisch nachvollziehbaren Gründen.  Da meine Vorfahren vor hunderten von Jahren nach Preußen und dann nach Deutschland auswanderten, blieb ihnen der osteuropäische Cocktail erspart. Dafür sind es in meinem Fall deutsche, englische, skandinavische Beimengungen, nebst einem Schuss vom Balkan- und der Toskana.  In jedem Fall ein Gemisch, dass es mir unmöglich macht, auch nur ansatzweise eine bestimmte nationale Tendenz/Präferenz zu bilden. Ich bin und sehe mich als Europäer , Weltbürger, Kosmopolit,  und lasse mich ganz bestimmt nicht von irgendeiner Ideologie vor einen, wie auch immer gearteten Karren spannen.

Wieder mal erweist sich die Wahrheit eines banalen Wissens: Wer (gut) informiert ist, ist mehr oder minder gefeit gegenüber auf Vorurteilen und Nichtwissen basierenden Theorien, wie eben  Rassismus und dem damit zusammenhängendem, unseligen Nationalismus.

Einige Fragen für bekennende Nationalisten und Rassisten:

Wie kommen aktuell polnische Nationalisten mit jenen Deutschen klar, die einen polnischen Namen tragen, deren Vorfahren Mitte bis Ende des 19. Jahrhunderts in Deutschland einwanderten, nun seit Generationen Deutsche sind und als solche empfinden?

Was empfinden heutige Mongolen in Bezug auf ihre entfernten Verwandten, die als Resultat von Vergewaltigungen im 13. Jahrhundert in mehreren europäischen Ländern zurück blieben, und deren heutige Nachkommen deutliche mongolische Elemente in ihrer DNA aufweisen?

Wie gehen Sizilianer mit ihren Anteilen skandinavisch-normannischer DNA aus der Zeit der Besetzung Siziliens durch die Normannen um?

Was empfinden die Nachkommen der plündernden und vergewaltigenden Wikinger im heutigen England? Versuchen sie sich durch den Brexit vor dieser Erkenntnis zu bewahren und von den Untaten ihrer Vorfahren zu distanzieren?

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