Wie lebten und wohnten die Menschen im Biedermeier ?

Unsere Vorstellungen wie unser Wissen über die Zeit des Empire und Biedermeier sind, gelinde gesagt, romantisch verklärt, inspiriert von den Bildern Caspar David Friedrichs oder Carl Spitzwegs. Wir tun so, als hätten die Menschen zur Zeit Napoleons – also im Empire – sowie zur Zeit des Wiener Kongresses und der nachfolgenden Zeit der Restauration, d.h. des Biedermeier, mehr oder weniger in biedermeierlich heimeliger, häuslicher Beschaulichkeit, sprich in bürgerlichem Wohlstand gelebt.

Diese Vorstellung ist ein Trugbild! Gerade die Zeit des Empire mit all seinen Kriegen, Besatzungen, Kontributionen, Einquartierungen, Zerstörungen und Toten, war eine Zeit bitterer Armut für breite Bevölkerungsschichten, bis hinein in den Adel. Nach dem Ende Napoleons, und damit des Empire, hatten gerade die zuvor bescheiden wohlhabenden Menschen der Mittelschicht, sprich Handwerker, Kaufleute, Gewerbetreibende massive wirtschaftliche Probleme, da das Ende der Kontinentalsperre den deutschen wie europäischen Markt mit Unmengen angestauter englischer Produkte überschwemmte, die bereits in industrieller Produktionsweise hergestellt wurden. In Verbindung mit der Hungerkatastrophe von 1816/17, sowie der dadurch ausgelösten Hyper-Inflation, die bis 1819/20 anhielt, kamen massenhaft selbständige Existenzen in den Staaten des Deutschen Bunds buchstäblich unter die wirtschaftlichen Räder.

Die soziale Lage der Bevölkerung Deutschlands wurde im ersten  Drittel des 19. Jahrhunderts  durch mehrere Faktoren  negativ be-einflusst. Bis 1805 stiegen die  Nahrungsmittelpreise teils exorbitant, während die Reallöhne gleichzeitig permanent sanken. Menschen in Lohnarbeit (z.B. Tagelöhner) waren  in existentieller Not, weil gerade ihre Reallöhne überproportional zurückgingen. Aktuell, zu Beginn des 21. Jahrhunderts, verzeichnen wir durch die Globalisierung erneut eine fatal ähnliche Entwicklung: während die Lebenshaltungskosten, d.h. Nahrungsmittel und besonders die Wohnkosten permanent signifikant steigen, befinden sich die Einkommen seit Mitte der 1990er Jahre in ständigem Sinkflug. Seit Jahrzehnten gab es in Deutschland nicht so viele Menschen im Niedriglohnbereich. Menschen ohne Arbeit waren damals, im Biedermeier, in existenzieller Not, weil sie oft keinerlei Einkommen hatten, um Nahrungsmittel zu kaufen oder ein Dach über dem Kopf zu haben. Zeitgenössische Berichte in Zeitungen, Fachbüchern und Statistiken sprechen von 10 bis 15% dauerhaft arbeitslosen Menschen in nahezu allen damaligen Städten, aber auch in zahlreichen Landkreisen und ländlichen Bezirken. Wenn wir das mit der gefährlichen Dynamik des Arbeitsmarkts zu Beginn unseres Jahrhunderts vergleichen, stellen wir verblüffende Parallelen fest, obwohl die Arbeitslosenquote in der Gegenwart nie deutlich über 10% betrug; dennoch führte es zu den sog. Hartz-Reformen, die die massenhafte Verarmung weiter Teile der arbeitenden Menschen Deutschlands, sowie Teile seiner Rentner einleiteten.

In der Zeit zwischen 1806 bis 1819 lagen die Agrarpreise bis auf die Jahre 1810 und 1811 zu hoch, d.h. die Reallöhne waren zu niedrig, um selbst  in Arbeit  stehende Personen  ausreichend  mit Nahrung zu versorgen. Sprich die große Mehrheit der Deutschen, ca. 80 bis 90% waren von ständiger Nahrungsknappheit und damit Hunger geplagt, obwohl sie in der Mehrheit eine Vollzeit-Tätigkeit ausübten, die damals rund 14 Arbeitsstunden täglich, 6 Tage die Woche umfasste.

Zwischen 1820 bis 1826 begann sich,  auf Grund sinkender Agrarpreise, die Hungernot auf Bevölkerungsgruppen ohne Arbeit und auf den Teil der landwirtschaftlichen Bevölkerung zu beschränken, die ihr Einkommen aus der Landwirtschaft, auf Grund der zu niedrigen Preise (in Verbindung mit hohen Zahlungen für ihre Ablöseverpflichtungen aus der Bauernbefreiung) erzielten.

Nach 1827 gerieten auf Grund der stark ansteigenden  Agrarpreise und weiter zurückgehender Löhne, nach und nach auch wieder diejenigen Menschen in Not, die ein regelmäßiges Arbeitseinkommen hatten. Daher mussten ihre Kinder und Frauen verstärkt  ebenfalls zur Arbeit geschickt werden, was für diese Menschen den Nachteil brachte, dass sie dadurch zugleich die Arbeitslosigkeit unter ihresgleichen erhöhten und außerdem die Löhne der Männer empfindlich drückten. Eine Art wirtschaftlicher Teufelskreis.

Ab etwa 1840/45 nahm in ganz Deutschland die Verstädterung  stark zu, was den Mangel an Industriearbeitsplätzen verstärkte und so die vorindustrielle Armutssituation verschärfte.  Erst ab ca.   1855 wurde diese vorindustrielle Arbeitsplatz-Notsituation, durch die zunehmende Schaffung zahlreicher industrieller Arbeitsplätze  beseitigt. Dennoch vermochte selbst dieser erste industrielle Aufschwung es nicht, die große Armut (man sprach damals vom Pauperismus) weiter Bevölkerungskreise zu bekämpfen. Im Gegenteil entstand durch die starke Industrialisierung eine neue, noch tiefgreifendere Armutssituation der entstehenden Industriegesellschaft in Deutschland. Insofern hat ausgerechnet die heute völlig zu Unrecht romantisch verklärte Zeit des Biedermeier in der Realität ein gravierendes PR-Problem: es war eine Zeit enormer Armut, geprägt von Hunger und Elend unbeschreiblichen Ausmaßes, und in keiner Weise die beschauliche, bürgerliche, wohlbehütete, finanziell gepolsterte Zeit, wie sie durch die Literatur und unsere falschen Vorstellungen geistert. Mitnichten also eine Zeit, in der all die heute so überaus zahlreich angebotenen Biedermeiermöbel, angepriesen als „um 1820, um 1830“ überhaupt gebaut sein können, geschweige denn ihre angeblich zahlreichen Abnehmer gefunden haben können.

Erst eine Reihe politisch-wirtschaftspolitischer Maßnahmen, sowie die Reaktivierung der Wirtschaft und des Handwerks in den Ländern des Deutschen Bunds (gegründet 1815), sorgten dafür, dass sich die soziale und wirtschaftliche Lage für Teile der Bevölkerung um 1825 zu stabilisieren begannen. Von einem konjunkturellen Aufschwung, der die Einkommensverhältnisse nennenswerter Bevölkerungsschichten positiv und nachhaltig beeinflusste, kann erst ab den frühen 1830er Jahren gesprochen werden, doch da endete bereits der stilistische Biedermeier, wurde abgelöst vom sich rasant ausbreitenden Historismus, der zwischen 1840 bis 1860, trotz des konjunkturellen Einbruchs in Folge der Revolutionsjahre 1848/49, mächtig an Fahrt zulegte. Während letzterer Phase, die teilweise auch als Spät-Biedermeier bezeichnet wird, kann erstmals von einem namhaften Möbelkonsum in breiteren Bevölkerungsschichten Deutschlands gesprochen werden.

Damit wird deutlich, dass ausgerechnet die klassischen Biedermeier- und Empire-Möbel, die sich heute in Museen wie Privatbesitz befinden, oder als Antiquitäten gehandelt werden, nicht aus bürgerlichem Besitz stammen können, sondern zum größten Teil aus ehemals adeligem Besitz, oder dem des zahlenmäßig geringen Groß-Bürgertums, zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Der Großteil der damaligen Bevölkerung (ca. 90%) war zu arm, um sich derartig kostspielige Möbel kaufen zu können. Das Gros der Menschen lebte in heute schwer vorstellbarem Elend. So waren um 1810 in vielen deutschen Städten mehr als 10% der Bevölkerung obdachlos und mussten mit Betteln oder als Tagelöhner ihr Leben fristen. Der Grund dafür lag zum Teil in den gesellschaftlichen Umwälzungen, hervorgerufen durch die Französische Revolution, aber auch an den sich damals rasant wie radikal veränderten Lebensbedingungen. Damit deutlich wird, über welche Zahlen wir eigentlich sprechen, die Entwicklung der Gesamt Bevölkerung auf dem Gebiet des Deutschen Bundes:

1800 23 Millionen
1825 28 Millionen
1850 35 Millionen
1875 43 Millionen

Das bedeutet von Beginn des Biedermeier bzw. Deutschen Bunds 1815 bis nach der gescheiterten Revolution von 1848/49 hatte Deutschland ein Bevölkerungswachstum von 25 auf 35 Millionen Menschen zu verzeichnen. Das bedeutet binnen ca. 30 Jahren wuchs die Bevölkerung um satte 40%. Dennoch wuchs der Anteil jenes Bevölkerungsteils, der für die Anschaffung von Möbeln finanziell in der Lage war, in diesen Jahrzehnten gerade mal von ca. 500.000 Menschen auf rund 750.000. Bei einer durchschnittlichen Familiengröße von damals fünf Personen haben wir es mit nicht mehr als ca. 125.000 Haushalten zu tun, die finanziell in der Lage waren, sich neue (Biedermeier)Möbel und andere Luxusgüter kaufen zu können. Bedenkt man ferner, dass in diesen, oft arrivierten, seit Generationen begüterten Familien, ein vollständiges Mobiliar vorhanden war, das also nur punktuell oder aus modischen Gründen mit Einzelstücken ergänzt oder ersetzt werden musste, bleiben nur einige tausend Einzelmöbel übrig, die maximal pro Jahr damals von ebenfalls mehreren tausend Schreinern in Deutschland hergestellt wurden. Wie sich daher die aktuell noch beachtliche Menge an Empire und Biedermeier-Möbeln trotz mehrerer Kriege, Zerstörungen, Verschleiß etc. erhalten konnte, bleibt ein Mysterium. Das Gros der Bevölkerung, über 90%, konnte froh sein, sich nach Todesfällen bei Versteigerungen gebrauchte Möbel früherer Epochen erwerben zu können. Die Masse der Menschen musste mit primitiv zusammengebastelten Möbeln, Marke Eigenbau, Vorlieb nehmen. Keine Chance für die gehegte Illusion vom bürgerlich gediegenen, mit schönen Möbeln ausgestatteten, gediegenen, finanziell sorgenfreiem Leben im Familienkreis, fernab der Tagespolitik und ihrer geheimdienstlichen Überwachung, die bis zum Öffnen privater Korrespondenz reichte.

Bis ins Ende des 18. Jahrhunderts hatte in allen Ländern Europas, so auch in Deutschland, der Absolutismus geherrscht, der zahlreiche Lebensbedingungen und –formen des Mittelalters fortgeschrieben hatte, einschließlich der Leibeigenschaft für einen nicht unerheblichen Teil der ländlichen Bevölkerung. Hatte bis weit ins 18. Jahrhundert der größte Teil der Menschen auf dem Land und von der Landwirtschaft gelebt, waren im Lauf des Jahrhunderts eine Reihe von Städten beachtlich gewachsen. Damit einher ging ein wachsender Anteil an bürgerlichen Geschäftsleuten und Händlern, wie eine ungleiche Verteilung von Reichtum und Wohlstand.

Hatten bis Ende des 18. Jahrhunderts die Menschen auf dem Land vielfach in großen Hausgemeinschaften der Großbauern gelebt, was die häusliche Einheit von Arbeiten und Wohnen vorausgesetzt hatte, ähnlich wie bei den Handwerkern, deren Lehrlinge und Gesellen mit dem Meister und seiner Familie unter einem Dach lebten, und ihrer Arbeit im Haus nachgingen. Nicht viel anders gestaltete sich das Leben der Händler und Kaufleute: auch sie arbeiteten und wohnten in großen Häusern, oft von palastartigen Ausmaßen, in denen neben den Büros, Arbeitsräumen, dem Lager, auch die Wohnräume des Kaufherrn lagen. Wohin man blickte, die damalige Welt der Arbeit und des Wohnens war nach dem Prinzip des „Ganzen Hauses“ aufgebaut, sprich, Arbeiten und Wohnen fand unter ein und demselben Dach statt. Der Hausvorstand, ob nun Kaufherr, Handwerksmeister, Großbauer oder adliger Grundbesitzer, sie alle standen einem Vielpersonen Haushalt vor, denen sie Arbeit gaben, Wohnraum zur Verfügung stellten, sie mit Essen und Trinken versorgten, und denen sie als nahezu unumschränkte Herrscher vorstanden, einschließlich der eigenen, mehrere Generationen umfassenden Familie, für die sie der Hausvater waren.

Nicht nur durch die Revolution, aber durch diese stark befördert, änderten sich gegen Ende des 18. und Beginn des 19. Jahrhunderts die Lebensbedingungen in Europa radikal. Neue, industrielle Produktionsstätten sorgten für die Auflösung der traditionellen Hausgemeinschaft, des „Ganzen Hauses“. Die neuen Arbeitsplätze, außerhalb von Landwirtschaft und Handwerk, in den entstehenden Fabriken, erzwangen die Trennung von Arbeits- und Wohnräumen. Die Arbeitswilligen strömten vom Land in die rasant wachsenden jungen Industriestädte, um in den neu entstehenden Fabriken zu arbeiten. Damit benötigten sie plötzlich eigene Wohnungen, in denen sie und ihre Frau und Kinder leben konnten. Die Wohnungen mussten in naher Distanz zu den Fabriken, sprich zum Arbeitsplatz liegen, da die Menschen damals nur eine einzige Möglichkeit hatten, ihren Arbeitsplatz zu erreichen: zu Fuß.

Da zahlreiche Menschen vom Land in die Städte und Fabriken strömten, die Orte, in denen die Fabriken entstanden, jedoch nicht über ausreichenden Wohnraum verfügten, entstand umgehend eine Situation, die in Vielem den aktuellen Zuständen am Wohnungsmarkt der großen Städte Deutschlands ähnelte: die Knappheit vorhandenen Wohnraums trieb die Preise des vorhandenen in schwindelnde Höhen, die karg entlohnte Arbeiter nicht bezahlen konnten. Der Bau neuer Häuser und Wohnungen kostete Geld und Zeit. Insofern hatten die Menschen damals nur drei Möglichkeiten: 1. Sie zahlten zähneknirschend die überhöhte Miete für ein Zimmer, eine Schlafstelle, was auch immer. 2. Sie zimmerten sich aus Holz und anderen Baumaterialien einen Verschlag, Bude bzw. Baude genannt, zusammen, oder 3. sie lebten obdachlos auf der Straße bzw. schliefen in den Fabriken, an ihren Arbeitsplätzen auf dem kahlen Fußboden. Damit entstand binnen einem bis zwei Jahrzehnten eine immens anwachsende Unterschicht, die Engels und Marx schließlich als Proletariat bezeichneten.
Mit der Auslagerung der Arbeitswelt entstand in den Städten und um die neuen Fabriken ein Proletariat, das man in dieser Form zuvor in Europa nicht gekannt hatte. Denn so schlecht oder mangelhaft arme Menschen zuvor von ihrem Hausvater oder Patron entlohnt worden waren, so hatten sie stets ein, wenn auch oft sehr einfaches Dach über dem Kopf gehabt, waren mit Nahrung versorgt worden, waren Teil einer Gemeinschaft, pflegten soziale Kontakte, und wurden im Fall von Krankheit oder Verletzung umsorgt. All das fiel für das entstehende Proletariat zu Beginn des 19. Jahrhunderts fort: Niemand, der für sie das Essen kochte, während sie arbeiteten. Keiner, der im Fall von Krankheit oder Verletzung für sie da war und sie versorgte. Die Fabrikarbeiter lebten entweder für sich allein, oder auf ihre nächste Familie, Frau und eigene Kinder, beschränkt. Die Familie stellte in dieser Daseinsform keine Hilfe mehr, sondern eine erhebliche Belastung dar, da der Arbeiter sie zusätzlich zu sich selbst versorgen, ihnen einen Wohnraum stellen musste, für sie bei Krankheit und Verletzung zu sorgen hatten. Folglich lebten die Proletarier entweder in regelrechten Elendsquartieren, den erwähnten Holzverschlägen, oder gleich auf der Straße. Angesichts derart existenzfeindlicher Lebensbedingungen wird deutlich, dass diese Menschen, die einen wachsenden Teil der arbeitenden Bevölkerung stellten, über keine Mittel verfügten, um sich überhaupt Möbel kaufen zu können, geschweige denn schöne, teure.

Die Privilegierten unter diesen Proletariern, die über eine feste Wohnung oder wenigstens ein Zimmer in einer Wohnung verfügten, waren finanziell gezwungen, ihre Betten unter zu vermieten. Eine Art biedermeierliches „AirBnB“. Da die Fabriken in Schichten, oft rund um die Uhr arbeiteten, war es möglich, dass, während der Mann und Familienvater seine Schicht arbeitete, ein anderer, Wohnungsloser, sich in dem freien Bett ausschlief. Dafür hatte er zu bezahlen. Weniger, als für ein eigenes Zimmer, aber so viel, dass die Familie davon etwas Essen kaufen konnte.

Einer meiner Vorfahren gehörte zu denjenigen Menschen, die damals, Anfang des 19. Jahrhunderts, vom Land in ein Industriezentrum strömte, schlicht, um durch seiner Hände Arbeit zu überleben. Es ist eine tragische Geschichte, die sich hinter seinem Schicksal verbirgt, aber dennoch typisch für die Zeit der Industrialisierung und den damaligen Raubtier-Kapitalismus. Seine Familie gehörte zu den besser gestellten. Der Vater, ein Tuchmacher-Meister, hatte die Erbtochter eines anderen Handwerksmeisters geheiratet, und den Handwerksbetrieb des Schwiegervaters übernommen. Er war ein umtriebiger Mann. Daher ergriff er die Chance, die sich ihm durch den Konsul und späteren Kaiser Napoleon bot, für dessen riesige Armeen Uniformen herzustellen. Also hatte er seinen Betrieb schnell und enorm vergrößert und schließlich in seiner Tuch-Manufaktur einige hundert Menschen beschäftigt. Dann hatte ohne sein Zutun Napoleon abdanken müssen, die Kontinentalsperre war aufgehoben worden, und die englischen Hersteller drängten auf den, ihnen für anderthalb Jahrzehnte verschlossenen deutschen Bekleidungsmarkt. Dazu bedienten sie sich unlauterer Methoden. Sie verkauften, um die deutsche Konkurrenz, so meinen Vorfahr, den Tuchfabrikanten, auszustechen, ihre Waren für bis zu 50% unter den eigenen Herstellkosten. Mein Vorfahr musste seine Arbeiter und Weber entlassen, schließlich gar den Betrieb schließen, und, nachdem er für seine Schulden gerade gestanden hatte, war er bankrott. Sein Sohn, in geradezu wohlhabende, großbürgerliche Verhältnisse geboren, in einem schönen, eigenen Haus groß geworden, stand nun, nach des Vaters Bankrott, den nicht etwa dessen schlechte Geschäftspraktiken verursacht hatten, sondern die politischen und wirtschaftlichen Umstände, auf der Straße, da das Haus versteigert worden war. Er hatte bereits eine Lehre als Schlosser absolviert, nun fehlte jedoch das Geld, um die Meisterprüfung ablegen zu können. Daher begab sich der junge Mann nach Düsseldorf, wo er als Schlosser, immerhin mit einer vollständigen Berufsausbildung, in einer der Metallfabriken Arbeit fand. Dennoch war sein Lohn so gering, dass er sich keine Wohnung leisten konnte, sondern sich eine Bude, den erwähnten Holzverschlag, baute. Selbst dazu benötigte er eine Menge Geld. Da er seine Bude legal, d.h. mit Zustimmung und Genehmigung der Stadtverwaltung baute, hatte er einen Antrag zu stellen und musste dafür Gebühren bezahlen. Ferner schloss mein Vorfahr einen Vertrag mit einem Hausbesitzer in der Altstadt, der gegen eine nicht geringe Einmalzahlung meinem Vorfahr gestattete, seine Holzbude an das Haus anzubauen. Damit besaß die Bude wenigstens eine solide, feste Seite, hatte Zugang zum Wasseranschluss des Hauses und zu dessen Toiletten, die allerdings nichts anderes als Donnerbalken im Innenhof waren. Dennoch war dies bereits die „gehobene“ und legale Form des Wohnens in einem Holzverschlag. Die Familie wohnte dort mehrere Jahre, denn da es eine offizielle Bude war, war sie als „Behausung“ bei der Stadtverwaltung verzeichnet, und es wurde sogar Post, auch die amtliche, dort zugestellt. Die Adresse lautete: Düsseldorf, Behausung unter Haus Nr. 417 in der Neustraße gelegen. Dort kam im eiskalten Januar 1840 einer meiner Urur-Großväter zur Welt.

Die Einrichtung einer solchen „Behausung“ dürfte aus ein paar einfachen, selbst gezimmerten Bettstellen mit Strohsack als Matratze, einem grob gezimmertem Tisch, eben solchen Stühlen und ein paar Kleiderhaken an der Wand, sowie einem gusseisernen Kanonenofen bestanden haben. Kein Kunde also für irgendeinen Schreiner gediegener Biedermeiermöbel. Die Besitzer derartiger Möbel entstammen  anderen Vorfahren-Linien, die sich beispielweise als verarmte Adlige ihr Mobiliar erhalten hatten, oder jene, die als Jungunternehmer bereits damals genug Geld verdienten, um ihren jungen Reichtum u.a. über die Anschaffung einiger sündhaft teurer Möbel zu dokumentieren. Da kommt dann, bei immerhin 16 weiblichen und männlichen Urur-Großeltern doch das eine oder andere Familien-Erbstück zusammen, selbst wenn ein Großteil der damaligen Vorfahren eher mit dem nackten Überleben zu kämpfen hatten.

Wie schwer das Leben unter derartigen Bedingungen war, zeigt sich daran, dass der gute Mann, mein Vorfahr, mit nur 49 Jahren verstarb. Sein Ältester, einer meiner Urur-Großväter, hatte dennoch eine Lehre absolviert und war vom Vater nicht als Ungelernter in eine Fabrik geschickt worden. Nach dem obligatorischen Wehrdienst, den mein Vorfahr freiwillig verlängerte, da dies einen höheren Sold und später bessere Berufsmöglichkeiten eröffnete, ging er als Reserve-Unteroffizier zur damals aufstrebenden preußischen Eisenbahn und wurde Lokomotivführer. Damit verfügte er über ein zwar bescheidenes, aber regelmäßiges Einkommen. Zudem stellte ihm die Bahn eine Dienstwohnung in einem der neu erbauten Bahnhöfe. Schließlich erhielt er eine Pension und seine Witwe lebte von dieser noch 25 Jahre nach seinem Tod. Urur-Großvater als Bahnbeamter, zuletzt im Rang eines Ober-Lokomotivführers, konnte es sich bereits leisten, seine Dienstwohnung, die ihm auch als Pensionär weiter zur Verfügung stand, mit historistischen Möbeln, teilweise vom Schreinermeister um die Ecke, teils aus einer Möbelfabrik, zu möblieren. Mit ihm kehrte dieser Familienzweig, nach seinem erzwungenen Ausflug ins Proletariat, zurück ins Kleinbürgertum, sprich die damalige Mittelschicht Deutschlands.

Die Mittelschicht

Zu dieser zählten Kaufleute, Beamte, Handwerker und kleine Selbständige. Diese lebten entweder noch in eigenen, ererbten Häusern oder gemieteten Wohnungen, die häufig den Arbeitsplatz umfassten. Im Fall des häuslichen Arbeitsplatzes diente die Wohnstube manchem Handwerker gleichzeitig als Werkstatt, oder im Fall kleiner Kaufleute oder Selbständiger als Büro. Das „Homeoffice“ der aktuellen Corona-Pandemie also ebenfalls bereits eine „Erfindung“ des Biedermeiers. Möbel waren im Vergleich zu heute wesentlich teurer, weshalb selbst Bessergestellte, wie Angehörige der Mittelschicht, sich in der Regel nur ausgewählte Einzelstücke anschaffen konnten. Große Teile des Mobiliars waren ererbt, da sie ohnehin für Generationen gebaut wurden. Wie zu allen Zeiten gab es innerhalb jeder Gesellschaftsschicht erhebliche Spreizungen hinsichtlich des individuellen Wohlstands. Dennoch dürfte für nicht geringe Teile des damaligen Mittelstands folgende Äußerung zugetroffen haben: “Die häusliche Einrichtung des Münchners war damals unglaublich einfach. Die Zimmer des Bürgers, mochte er noch so wohlhabend sein, sowie die des kleineren Beamten, zeigten nur mit Kalk getünchte Wände. Weiße Fenstervorhänge oder gar polierte Möbel erschienen als enormer Luxus, den sich nur wenige gestatteten. Mit Ölfarbe angestrichener Hausrath bildete die Regel. Ein Sopha, namentlich ein solches mit gepolsterter Rückenlehne, war der Gegenstand des Neides aller Hausfrauen[i]“.

Allerdings gab es auch ein Wohlstands-Gefalle zwischen Stadt und Land, wie innerhalb der damaligen Städte. Während eine Möbelstadt wie Mainz, speziell ab den 1840er Jahren, wohlhabender und entwickelter war, als beispielweise das niedersächsische Göttingen, besaßen Residenzstädte wie Karlsruhe oder Potsdam generell Vorteile gegenüber ländlich geprägten Städten. Ab Mitte der 1820er, speziell im Lauf der 1830er Jahre, verbesserte sich die wirtschaftliche Lage des Bürgertums, damit der Mittelschicht deutlich, wodurch diese die zunehmende Möbelproduktion anheizte, indem sie sich mit den in Mode kommenden historistischen Möbeln eindeckten.

Armer Handwerker – Mittelschicht Wohlhabender Handwerker – Mittelschicht

Vermutlich spielt das Moment der verbesserten wirtschaftlichen Situation breiter Teile des Bürgertums, speziell in den Ländern des Deutschen Bunds, eine weit wichtigere Rolle für die zeitgleich einsetzende Veränderung der Möbel. Hatten bis Mitte und Ende der 1830er Jahre reine Biedermeier-Möbel mit ihrer schlichten Eleganz vorgeherrscht, so war es kein Zufall, dass mit dem Einsetzen bürgerlicher Käuferschichten, der Möbelstil, im Rückgriff auf frühere, sprich aristokratische Epochen, an Schwulst und vermeintlicher Repräsentanz zulegte. Der Kleinbürger und zu Geld gelangte Mittelstand wollte mit seinem neuen Möbeln zeigen, nunmehr „dazu zu gehören“, und wählte, da nicht oder noch nicht geschmackssicher genug, Möbel jener Form und Gestaltung, die den aus Palästen und Schlössern bekannten Vorbildern ähnelten. Man wollte durch und über seine Möbel repräsentieren und den neureichen Wohlstand so anschaulich als möglich zur Schau stellen.

Dieses Verhalten, dass sich an der raschen Abfolge der historistischen Stile zwischen 1840 bis 1890, also binnen eines halben Jahrhunderts, glasklar äußerte, ähnelt in Vielem jenem neureichen Protz- und Imponiergehabe, dass die Nachkriegs-Wohl-standsgeneration der 1950er und 1960er Jahre an den Tag legte, nicht zufällig durch Möbel im Stil des „Gelsenkirchener Barock“ und noch deutlicher am Statussymbol par excellence des 20. Jahrhunderts, dem Automobil, ablesbar. Das Auto, wie 150 Jahre zuvor die Möbel des 19. Jahrhunderts als sinnfälliges Symbol für den tatsächlichen oder vermeintlichen, weil oft vorgegaukelten Wohlstand seiner Besitzer. Ähnlich wie das neue Auto der Meiers 1950/60 das Nachkaufen der Schulzes und Müllers nach sich zog, funktionierte der Konsum zu Zeiten des 19. Jahrhunderts: das neue Polstersofa beim Kaffeekränzchen der Nachbarn, löste in den Nachbarhaushalten geradezu den zwanghaften Drang aus, es den Nachbarn gleichzutun, wenn möglich, diese zu übertrumpfen.

Neid als verlässliche Konjunkturspritze funktioniert noch heutzutage hervorragend: das Instagram-Foto des Profis in neuen Nike-Schuhen löst geradezu zwanghaft einen Run der Neider und Möchtegern-Berühmtheiten aus: sie kaufen, selbst wenn sie es sich im Grunde genommen nicht leisten können, die unverschämt überteuerten Schuhe, um sich so die trügerische Hoffnung, wenigstens kurz, ebenso gut und erfolgreich zu fühlen, wie der berühmte Profi, der die Schuhe geschenkt bekommt, und für sein Foto eine sechs oder siebenstellige Werbeprämie obendrein.

Das funktionierte zu Zeiten des 19. Jahrhunderts nicht anders, als heute. Daher sind die Offerten bei Ebay und ähnlichen Onlineportalen voll hässlicher, überaus scheußlich überladener Plüschsofas und verschnörkelter Schränke, angepriesen als „Biedermeier“ Möbel, da die Verkäufer entweder keinerlei Ahnung haben, wann das Biedermeier als Möbelstil begann oder endete, noch, wie derartige Möbel aussahen. Alles was nach Omas muffeliger Plüsch-Romantik aussieht, wird zum „Biedermeier-Möbel“ geadelt, und scheinbar von arglosen, uninformierten Zeitgenossen tatsächlich als „echt“ gekauft zu werden.

Wohlhabender städtischer Handwerker mit Familie Familie des städtischen Groß-Bürgertums

Die Oberschicht

Die damalige Oberschicht, überwiegend noch immer der alte Adel, vermehrt um den neuen, durch Napoleon inflationsartig verbreiteten Neu-Adel, das etablierte Großbürgertum, sowie die, in Folge der Umwälzungen gesellschaftlich-wirtschaftlicher Natur, als Folge von Revolution, Empire und Restauration, zu Reichtum gelangten Neureichen, aufgestiegene Handwerker wie Knußmann, die ihre Werkstatt zu Fabriken weiter entwickelt hatten, Offiziere, das gehobene Beamtentum, sie alle durchliefen im Lauf der ersten drei Jahrzehnte des neuen Jahrhunderts, des 19., bemerkenswerte Veränderungen. Eines zeichnete dieses neue Besitzbürgertum wie den alteingesessenen Adel aus: ihre sich in beachtlichem Tempo füllenden Geldbörsen, in Folge der beginnenden Industrialisierung Deutschlands, in Folge des Zollvereins, wie weiterer Wirtschaftsstimulanzien.

Biedermeier-Einrichtung eines Fürsten in seinem Palast

Wer es sich allerdings leisten konnte – vor allem die Oberschicht – baute alte Burgen, Paläste und Schlösser, Guthäuser oder Patrizierhäuser der Vergangenheit um. Statt sich wie zuvor  mit wenigen, dafür aber großen Mehrzweckräumen zu begnügen, wünschten sich die Reichen nun Häuser oder Wohnungen mit einer Vielzahl spezialisierter Zimmer. Große Bedeutung bekam der Salon: ein Repräsentationszimmer, in dem man Besucher empfing, das ansonsten wenig persönlich genutzt und daher üblicherweise nicht beheizt wurde. Für den Herrn des Hauses gab es ein Herren- bzw. Raucherzimmer; Mann und Frau und Kinder verfügten über eigene Zimmer, man besaß ein stattliches Esszimmer, vielfach ein Musikzimmer, war man oder fühlte man sich kunstsinnig, existierte ein mehr oder minder großes Bibliothekszimmer, und das typisch biedermeierlich: die großbürgerliche Familie besaß ein privates Wohnzimmer, behaglich eingerichtet, als Mittelpunkt des Familienlebens. Das Biedermeier gilt zwar als durch und durch bürgerlicher Wohn- und Lebensstil; paradoxerweise aber waren es ausschließlich der Adel und das Groß-Bürgertum, das sich als erste, wie nahezu Einzige, in diesem Stil einrichteten und ihn lebten. Wie eingangs betont, war dies aus finanziellen Möglichkeiten heraus auch überhaupt nicht anders möglich. Nur die Schicht des alten wie neuen Geldadels verfügte in jenen krisenhaften Zeiten, zwischen 1810 bis 1825/30 überhaupt über ausreichende Finanzen, um sich neue Häuser bauen zu lassen, diese umzubauen und neu einzurichten. Ein Mysterium also, woher die heute so zahlreich angebotenen Möbel dieser Epoche wohl stammen mögen. Vermutlich wird ein Gutteil durch hochpreisige „Expertisen“ nachträglich geadelt, Nachgebautes. Imitiertes, für echt erklärt. Die statistisch verfügbaren Zahlen von Menschen, die damals über das nötige „Kleingeld“ zum Möbelkauf verfügten, und die Menge an noch heute erhältlichen Möbeln des Biedermeier stehen in einem diametralen Missverhältnis.

Dabei sollte die Rolle, die gerade der über zwei Jahre andauernde Wiener Kongress spielte, nicht unterschätzt werden. Wien war damals der einig ernstzunehmende Gegenpol zu Paris, verfügte über hervorragende Möbelbauer und Handwerksmeister, hatte stets in stilistischen Fragen eine Vorreiterrolle in Fragen von Mode- und Möbelstil gespielt. In den Palästen und Salons Wiens erhielt die Creme des europäischen Adels, der hohen Beamtenschaft, der Mitglieder der vermögenden Oberschicht Anschauungsunterricht in Sachen Möbel des Empire und Biedermeier.

Der Neid wie das Bedürfnis der zahlreichen kleinen Potentaten aus den von Napoleon „beförderten“ deutschen Kleinstaaten war, wie ehedem in Bezug auf den Sonnenkönig, enorm. Man wollte ähnlich gediegen, ähnlich prunkvoll, ähnlich modern ausgestattet sein und leben, wie am Kaiserhof in Wien und dessen adligem Umfeld. Insofern muss nicht verwundern, dass, sobald die zu Königen und Großherzögen beförderten, dennoch mit armen Ländern versehenen deutschen Fürsten, ihre ausgetrockneten Sparstrümpfe um 1820 wieder etwas aufgefüllt hatten, begannen, Bau- und Einrichtungstätigkeit zu entfalten, sich die Auftragsbücher angesagter Tischler, wie Knußmanns, zu füllen begannen. Dies wiederum beflügelte, bemüßigte ihre Hofschranzen, ihren Hofadel, es ihren Herrschern nachzutun, im Rahmen ihrer bescheideneren finanziellen Möglichkeiten. (Die zeitgenössischen Prospekte sind voll von billigen und teuren Varianten. Merkwürdigerweise werden heute fast ausschließlich die teureren angeboten, also jene Version, die sich damals das Gros der Käufer absolut nicht leisten konnte. Ein Paradox, das Herr Trump als Fake bezeichnen würde: so viele teure, exklusive Möbel, wie noch heute angeboten werden,  können die wenigen reichen Adligen gar nicht gekauft haben. Und doch existieren sie heute angeblich???)

Die absolutistischen Rokoko- und Barockmöbel der Eltern und Großeltern der damaligen Reichen wurden in Magazine und entlegene Räume entsorgt. Die verbliebenen wenigen prunkvollen Empiremöbel aus der napoleonischen Ära bedurften der Auffüllung mit neuen, durch ihre Schlichtheit glänzende Biedermeiermöbel. Das dem kaiserlich Wiener Hof, wie dem englischen Hof eigene bescheiden daherkommende Understatement wurde durch die funktionalen und schlichten, dennoch sündhaft teuren neuen Möbel, die erst 80 Jahre später ihren Namen – Biedermeier – bekamen, imitiert. Vermutlich liegt darin das anhaltende Missverständnis begründet, demzufolge wir heute, wie Generationen vor uns davon ausgehen, der Stil des Biedermeier sei ein Stil der einfachen, bürgerlichen Bevölkerung gewesen. Das Biedermeier war, bevor seine Möbel im sog. Historismus verschnörkelt und verunstaltet wurden, eine Angelegenheit einer kleinen Avantgarde – ähnlich dem hundert Jahre später zelebriertem Jugendstil – der Besitzenden und Vermögenden, nicht der breiten Bevölkerung. Daher dürfen wir mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, dass Vieles, was heute als echtes Biedermeier angepriesen und verkauft wird, im 2. Biedermeier, Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts entstand. Schon damals wusste man zu fälschen.

Ein erhebliches Problem stellte, wie bereits in den vorangegangenen Epochen, so auch noch im Biedermeier, eine gute, angenehme Beleuchtung der Räume dar. Wie Jahrhunderte zuvor, hatte das Biedermeier bloß Wachskerzen zu bieten, die noch dazu ein besonders teurer Luxus waren. Bei den weniger Begüterten waren rußende Talglichter an der Tagesordnung. Öl- und Gaslampen kamen erst gegen Ende des Biedermeier in Gebrauch.

Bleibt als Fazit festzuhalten, dass Handwerker wie Wolfgang Knußmann oder sein Patensohn Wolfgang Knußmann II. von den 2-5% der Bevölkerung abhängig waren, die über die Finanzen verfügten, um sie für sich tätig werden zu lassen: der deutsche und russische Hochadel, sowie Kaiser wie Napoleon oder der Zar, Könige wie der englische, preußische und belgische, sowie der nachrangige Adel und die neureichen Industriellen. Wahrhaft keine hohe Anzahl an Kunden.

[i] C. A.  Regnet in seinen Jugenderinnerungen über die Zeit gegen 1830