Die Schmierenkomödianten von Athen und Brüssel

Was Ende Januar 2015 in Athen als Drama begann, von der neugriechischen Laienschaupieltruppe – genannt Syriza –  um Herrn Tsipras und Herrn Varoufakis – zur Aufführung gebracht, sollte, gemäß dem Willen seiner Initiatoren im Stil einer griechischen Tragödie zur Aufführung gebracht werden. Im Rahmen einer griechischen Tragödie, die sich traditionell aus drei Tragödien sowie einem anschließenden Satyrspiel, also einem heiteren, befreienden Nachspiel, zusammensetzt, geht es um die schicksalhafte Verstrickung des Protagonisten – in unserem Fall die links-rechtsnationale Regierung Griechenlands – der in eine so ausweglose Lage gerät, dass er durch jedwedes Handeln nur schuldig werden kann. Die herannahende, sich immer deutlicher abzeichnende Katastrophe – Staatsbankrott und Grexit – lässt sich trotz großer Anstrengungen der handelnden Personen nicht mehr abwenden.

Soweit so gut. Obwohl nur dilettantische Laienschauspieler, vermochte es die Truppe um Tsipras und Varoufakis immerhin, in enger Anlehnung an die altgriechischen Vorbilder, einer traditionellen Inszenierung folgend, trotz der Störfeuer der EU Kommission um Präsident Juncker, sowie unter Mitwirkung der zu „Institutionen“ umbenannten Troika, eine annähernd dreigliedrige Tragödie auf die Bretter des europäischen Theaters zu legen.

Doch der übereifrige Einsatz von Herrn Juncker, sowie die unwürdige Assistenz durch Frau Merkel und Herrn Hollande, sorgte durch ihre übermäßige Kompromissbereitschaft dafür, das Spiel der Laienspieler aus Athen zu durchkreuzen. Statt, wie traditionell üblich, den drei Tragödien nun das heitere Satyrspiel folgen zu lassen, sorgten die gänzlich überforderten Brüsseler-Berliner-Pariser Aushilfsschauspieler dafür, das traditionelle Konzept ihrer Athener Mitspieler – Gegenspieler wäre wohl treffender – so durcheinander zu wirbeln, dass aus dem Satyrspiel eine Schmierenkomödie wurde, billiges, abgeschmacktes Theater; kurzum ein niveauloses Stück, dessen Komik auf billigen, abgeschmackten Einfällen basiert.

Denn, nachdem die Athener Laienspieler am Samstag durch ihr kurzfristig angesetztes Referendum ihre Brüsseler Mitspieler schockierten – einzig, um ihre zur Schmierenkomödie verkomme Tragödie zu retten – gerierten sich die europäischen Schmierenkomödianten um Herrn Juncker und Frau Merkel wahrlich auf abgeschmacktem, billigem Niveau.

Erst verweigerten sie mit theatralischer Geste jegliche weitere Mitwirkung, um gestern auf abgestimmte Weise ihre Athener Laien-Mitspieler des Verrats und des Betrugs – übrigens völlig zu Recht – zu bezichtigen, um heute, ganz in der Tradition einer echten Schmierenkomödie April, April zu rufen. Was gelten die Aussagen von Samstag, was die berechtigten Vorwürfe von Gestern? Heute wird ein dramatisch verbessertes, den griechischen Befindlichkeiten entgegenkommendes verbessertes Angebot abgegeben, versehen mit der flehentlichen Bitte, es anzunehmen, um also dann die griechischen Verbindlichkeiten gegenüber IWF und EZB übernehmen zu dürfen – ohne jegliche Gegenleistung oder Reform.

Wenn das keine ausgewachsene Schmierenkomödie ist, und sich Herr Juncker und Mitspieler nicht wie lupenreine Schmierenkomödianten verhalten, dann hätte man die Begriffe neu erfinden müssen.

Dabei ist das ganze Missverständnis bezüglich der Motive und Verhaltensweise der Athener Laienschauspieler Tsipras und Varoufakis so simpel aufzuklären und deren Handlungsweise so einfach wie umfassend zu verstehen. Die hohen Politiker Europas hätten, wenn sie schon die hoffentlich vorhandenen Dossiers ihrer Geheimdienste über ihre beiden Athener Kontrahenten nicht gelesen haben, wenigstens deren Horoskope lesen sollen. Denn die geben weit mehr Aufschluss über die Herren aus dem Athener Linksmilieu, als all die Kaffeesatzleserei, die seit Januar in den Medien betrieben wurde. Im jeweiligen Horoskop der beiden Herren lässt sich ziemlich klar und unmissverständlich nachlesen, wie und weshalb die Beiden – Widder der Eine, Löwe der Andere – so ticken, wie sie ticken:

über den Herrn Ministerpräsidenten Tsipras etwa heißt es: Sie sind stolz… fest in Ihren Prinzipien und Meinungen. Sie … sind sehr von sich selbst überzeugt. Oft vermissen Sie allerdings, dass andere Ihre Selbsteinschätzung bestätigen und reagieren gekränkt. Sie neigen zu Ruhelosigkeit, Wechselhaftigkeit und einem Mangel an Ausdauer. Ihre Schwächen sind: Depression, Angst und Härte. Ausländern gegenüber sind Sie eher misstrauisch. Ihre Schwächen sind übertriebener Stolz und Arroganz.

2015 könnten Sie leicht in Konflikte mit Ihren Mitmenschen verwickelt werden. Wenn Sie sich dabei sehr unvorsichtig verhalten, könnte es Ihnen passieren, dass Sie auf der Verliererseite stehen. Es ist möglich, dass Sie auf die ersten Zusammenstöße einerseits mit Feindseligkeit reagieren, andererseits aber Ihren Ärger auch zu unterdrücken versuchen. Dadurch befinden Sie sich dauernd in einem Zustand unterdrückter Wut. Die Kombination aus Ihrem Durchsetzungsdrang und den Hindernissen, die sich Ihnen in den Weg stellen, kann gewisse Gefahren bergen. Wenn Sie jetzt impulsiv reagieren oder unnötige Risiken eingehen, könnten Sie durch einen Unfall oder eine Verletzung “ausgebremst” werden. 2015 geht es um Ihre Vorstellung von der Realität und welchen Platz Sie darin einnehmen. Vermögen Sie ihren Idealen nicht zu entsprechen, so erleben Sie vielleicht eine Krise des Selbstverständnisses, fühlen sich schwach, bedrückt und minderwertig. Dieser Einfluss kann Sie rücksichtslos handeln lassen, nach dem Motto, dass der Zweck die Mittel heiligt. Ein solches Vorgehen könnte aber Kräfte entfesseln, die nur schwer zu kontrollieren sind.

Wer hier nicht das typische Verhaltensmuster von Herrn Tsipras erkennt, und das Déjà-vu der eingetretenen Sackgassen-Situation, die, würde Brüssel nicht versuchen, das Satyrspiel mit aller Macht in eine Schmierenkomödie zu verwandeln, dem ist schwerlich zu helfen.

Sollten sich die Brüsseler Spitzen je wieder mit Tsipras und Varoufakis an einen Verhandlungstisch setzen, so wären sie gut beraten, zuvor einen Astrologen zu konsultieren, da die Horoskope sehr aufschlussreich sind, wie die Athener Herren ticken, und wie man sie ausmanövrieren bzw. festnageln kann.

In Bezug auf den irisierenden Herrn Varoufakis weiß das Horoskop folgende erhellende Informationen zu liefern: Ihr Leben wird voller Veränderungen sein. Ihre Empfänglichkeit für äußere Einflüsse führt dazu, dass Sie unbewusst die Verhaltensweisen Ihrer Mitmenschen imitieren. Sie neigen auch dazu, die Meinungen anderer als Ihre eigenen auszugeben. Anderen gegenüber wirken Sie recht hart; im Inneren sind Sie weich und verletzbar. Sie fühlen sich schnell angegriffen, was durch Ihre Empfänglichkeit für subtile Einflüsse noch verstärkt wird. Wenn Sie gekränkt sind oder Angst haben, neigen Sie dazu, sich völlig zurückzuziehen. Sie reagieren immer eher emotional als rational. Wenn Sie jemanden nicht mögen oder unsympathisch finden, können Sie das nur schwer verbergen. Ihr Mitgefühl für leidende Menschen ist fast unbegrenzt und Sie befassen sich etwas übertrieben mit dem Wohlbefinden und der Gesundheit anderer. Mit immenser Kraft halten Sie an bestimmten Vorstellungen oder auch an Menschen fest. Andere Menschen spüren Ihr mangelndes Selbstbewusstsein. Obwohl Sie sich engen, intimen Kontakt wünschen, haben Sie Angst davor, sich zu verpflichten. Sie stecken voller Widersprüche: Einerseits stellen Sie Anforderungen an andere Menschen, beschweren sich aber, wenn diese mit Ihnen das gleiche machen. Sie erwarten Annäherungsversuche von Seiten der andern, ziehen sich jedoch zurück, wenn sie das tun. Sie wirken unabhängig, sehnen Sie sich aber nach einem Menschen, der Sie wirklich gern hat. Ihre Lebensumstände machen es erforderlich, dass Sie große Verantwortung für andere Menschen übernehmen müssen. Es könnte sich um finanzielle Verluste handeln. Ihr Auftreten ist vital, stolz und kraftvoll. Sie lieben es, sich in der Öffentlichkeit zu zeigen, drängen sich aber manchmal anderen Leuten zu sehr auf. Ihre Schwächen sind übertriebener Stolz und Arroganz.

2015 steckt voller Überraschungen und Möglichkeiten jeder Art. Sie erstreben jetzt eine besondere Freiheit, die Sie niemals zuvor genossen haben. Vielleicht schütteln Sie alle bisherige Verantwortung ab und trachten danach, Ihre verlorene Jugend wiederzugewinnen. Sie haben einen Widerwillen gegen jede übernommene Verpflichtung. Eine Situation aus einem völlig neuen Gesichtswinkel zu sehen, so dass Ihnen Lösungen für anstehende Probleme einfallen. Diese Lösungen können so radikal sein, dass Sie normalerweise vor ihnen zurückschrecken würden, doch Sie verspüren zugleich auch genügend Zuversicht, um neue Wege zu einzuschlagen. Diese Veränderungen können infolge eines großen, verwandelnden Ereignisses oder auch durch eine Reihe kleinerer Geschehnisse eintreten, die zusammengenommen von großer Wirkung sind.

Das kann man nur bejahen: die vielen kleinen Geschehnisse seit Januar 2015 haben ihre große Wirkung mit dem Verhandlungsaus in Brüssel letzten Samstag, sowie dem nun eingeleiteten Grexit voll entfaltet. Das alles hätten die Herren EU Verhandlungsführer und natürlich auch Frau Merkel vorab wissen können – ein Blick in Varoufakis Horoskop hätte es ihnen erhellt. Bleibt zu hoffen, statt Schmierenkommödie und Kaffeesatzleserei greift man künftig in Berlin und Brüssel besser zu einem aussagekräftigem Horoskop. Dort ist nämlich auch bereits zu lesen, die die schmierenkommödiantische Tragödie im weiteren Verlauf des Jahres ausgeht. Viel Spaß bei der Lektüre!