Neujahrsnacht 2015/16 – oder die Nacht, in der Deutschland seine Unschuld verlor

Auch mehrere Wochen nach den schlimmen Vorfällen während der Silvesternacht in Köln, verfügen wir, als zuschauende, zuhörende, lesende Beobachter von außerhalb, noch immer nicht über wirklich aussagefähige, belastbare, nachprüfbare Fakten, um zu einer zuverlässigen Einschätzung der Vorgänge zu gelangen. Deutlich ist inzwischen nur, dass die Vorgänge nicht auf Köln allein beschränkt waren, sondern offenbar in zwölf weiteren Städten stattfanden.

Was bislang bekannt wurde – in Form informeller Fetzen – deutet eine Dimension an, vor der ein Befürworter für die Flüchtlingsaufnahme in Deutschland nur erschauern kann. Nicht nur, dass das von Gegnern einer großzügigen Flüchtlingsaufnahme von Beginn an artikulierte Misstrauen gegenüber den zahllosen allein einreisenden jungen muslimischen Flüchtlingen geradezu klassische Bestätigung findet: die sämtliche Flüchtlinge als vergewaltigende, ungebildete, undisziplinierte Horde von Wilden darstellt. Die alkoholisierten, enthemmten jungen, offensichtlich in ihrer Mehrzahl muslimisch, nordafrikanische Immigranten haben in geradezu „perfekter „Art und Weise die ihnen gegenüber bestehenden Vorurteile, und das ihnen von Teilen der Bevölkerung entgegen gebrachte Misstrauen, bestätigt. Damit haben sie den berechtigten Anliegen hunderttausender, durch Krieg und Terror vertriebener Menschen, den besagten Bärendienst erwiesen.

Schlug ihnen bisher das unverhohlene Misstrauen und die abgrundtiefe Ablehnung überwiegend von nationalistisch, rechtsradikal verblendeten Menschen entgegen, haben es die ein bis zweitausend jungen Männer mit dem Wunsch nach Asyl geschafft, einen nicht unerheblichen Teil der sogenannten schweigenden Mehrheit der Deutschen, wo nicht gegen sich aufzubringen, so doch negativ voreingenommen werden zu lassen. Dies sind keine guten Vorzeichen für die vor uns liegenden Probleme einer notwendigen Integration dieser Menschen in unsere Gesellschaft.

Wäre nicht die hundertfache Betroffenheit, die persönliche Erfahrung von grauenvoller Angst um Leib und Leben, die tief einschneidende Erfahrung von Scham ob der aberwitzigen sexuellen Übergriffe, die Erfahrung des beschämenden Tabubruchs bei den hunderten Frauen, die Gewalt und seelisch-körperliche Beschämung durch die aufgeputschte Horde offensichtlich überwiegend arabisch-nordafrikanischer Flüchtlinge erdulden mussten, man könnte ob der bis dahin vorherrschenden illusionären Unschuld eines Großteils der deutschen Bevölkerung, der nunmehr bekannt gewordenen impertinenten Vertuschungs- und Verschleierungs-Manöver, ob der kriminellen Aktivitäten im Land, durch Politiker und Polizeibehörden, nur bitter und hämisch auflachen.

Ich gehörte und gehöre nach wie vor zu den Befürwortern einer massenhaften Aufnahme von Kriegsflüchtlingen und politisch Verfolgten, daran haben die entsetzlichen Ereignisse der Neujahrsnacht nichts verändert. Denn nicht ohne Grund habe ich in meinen bisherigen Äußerungen zur Flüchtlingskrise deutlich gemacht, dass unsere Aufnahmebereitschaft zu Gunsten wirklicher Kriegsflüchtlinge und politisch Verfolgter einhergehen muss mit einem strikten Kurs des Forderns.

Nicht grundlos wies ich darauf hin, dass wir angesichts der derzeit einströmenden Massen an Immigranten nicht die gleichen Fehler der Vergangenheit wiederholen dürften, nämlich, zuzulassen, dass die Immigranten sich selbst überlassen bleiben und in eine, unsere demokratische Gesellschaft gefährdende, Parallelgesellschaft abdriften, wie dies bei den sogenannten türkischen Gastarbeitern der Fall war und ist. Auch eine umgehende, konsequente Abschiebung aller abgelehnten Asylbewerber muss Teil dieser Strategie sein, um Kapazitäten frei zu bekommen, um die akzeptierten Immigranten möglichst schnell und nachhaltig in unserer Gesellschaft zu integrieren.

Dazu – ich wies darauf mehrfach hin – ist notwendig, unverzüglich, d.h. bei der Einreise, eine Art Broschüre in der jeweiligen Sprache auszuhändigen, in der eben nicht nur über die Institutionen und Angebote für finanzielle Unterstützung informiert wird, sondern glasklar unsere Anforderungen an die Neuankömmlinge formuliert werden. Es muss den Immigranten sehr klar vor Augen geführt werden, welche Unterschiede zwischen ihrem Herkunftsland und Deutschland bestehen, welche Dinge wir hier als Minimalbasis für ein Bleiben erwarten: Respekt für unsere Gesetzte, unsere Religion, unsere Traditionen. Die Bereitschaft, binnen 12 Monaten unsere Sprache zu erlernen, sowie sich an unsere Gesetze zu halten, die u.a. die Gleichheit der Geschlechter, den Respekt vor dem weiblichen Geschlecht etc. erwarten, auch und gerade von Einwanderern. Auch muss unmissverständlich deutlich gemacht werden, dass es keinen Bonus, keinerlei einforderbare Privilegien aus religiösen Gründen gibt. Die Verweigerung, sich von Ärztinnen oder Polizistinnen, von weiblichem Personal konfrontieren zu lassen, muss unverzüglich deutliche Konsequenzen haben ! Bis hin zur Ablehnung als Asylant und Abschiebung.

An diesen simplen, selbstverständlichen Maßnahmen mangelt es seit Beginn der Flüchtlingskrise, und ich habe keine Informationen, dass binnen eines Jahres hier etwas verändert worden wäre, im Gegenteil. Hier, und in zahlreichen anderen, sehr simplen Dingen liegt das Hauptübel. Ein gesellschaftlich-politisches Versäumnis, dass darin gründet, dass unsere Gesellschaft und allen voran unsere Politikerkaste versäumt haben, sich vorausschauend darauf vorzubereiten, dass wir, wie früher die USA, Kanada oder Australien zu einem bevorzugten Einwanderungsland geworden sind. Verfügten wir, ähnlich wie die drei erwähnten klassischen Einwanderungsländer über einen gesellschaftlich verankerten Kodex, der klar formulierte, wie viele Einwanderer, mit welcher Qualifikation, zu welchen Konditionen akzeptierten, wäre viel gewonnen. Gäbe es darüber hinaus bereits klare Vorstellungen und entsprechend in Gesetze und Anordnungen gegossene Vorstellungen   hinsichtlich Asylanten, sowie die Verfahren, wie mit abgelehnten Bewerbern verfahren würde, statt diese, wie in der Vergangenheit massenweise zu dulden, was alle existierenden Gesetze und Verordnungen ad absurdum führt, wären wir aktuell nicht mit so gravierenden Problemen konfrontiert.

Auch die vermeintlich aus schlechtem Gewissen resultierende angebliche political correctness, bestimmte unerfreuliche, negative Fakten unter den Tisch zu kehren, sie nicht offen zu behandeln, befördern bei den teilweise sehr einfach gestrickten, von einem einseitig geprägtem Bild erfüllten jungen muslimischen Immigranten die Verachtung gegenüber unserer Gesellschaft.

Es bedarf nicht der mit heißer Nadel und hechelnder Zunge, durch die von AfD und Pegida vor sich durch die Gassen getriebenen Politiker neuen, populistischen Verordnungen und neuen Gesetze: es müssen nur die vorhandenen konsequent, strikt angewandt werden, es müssen gewisse Selbstverständlichkeiten benannt, formuliert und in beide Richtungen – die der Immigranten wie die der Bevölkerung – kommuniziert werden. Es mangelt ja nicht nur den, in unser Land strömenden Massen, z.B. den jungen nordafrikanisch oder arabischen Männern, an einer klaren, deutlich kommunizierten Richtschnur; diese fehlt, wie das Erstarken der populistisch und nationalistischen Bewegungen quer durch Europa wie in Deutschland zeigt, auch der deutschen Bevölkerung. Statt eines gesellschaftlich-politischen Konsens liegen Welten zwischen den Befürwortern von Immigration, den Freunden von Multikulti, den Menschen, die ihre eigenen Traditionen und Werte lieber bis zur Unkenntlichkeit verleugnen, um sich umso vehementer für vermeintliche Minderheitsrechte und angebliche religiöse Toleranz einzusetzen; bis zu den erbitterten Gegnern jeglicher Einwanderung, den Populisten, Nationalisten, den Ewig-Gestrigen, jenen, die die Nazis und eine nationalistische Diktatur zurück sehnen.

Da sich die Extreme, teilweise über das Internet und die Medien lauthals und unversöhnlich bekämpfen, fehlt der sogenannten schweigenden Mehrheit der helfende, klare Faden eines vernünftigen Mittelwegs, auf Basis unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung. Das, das schlimmste Versäumnis von Kanzlerin Merkel und unseren Politikern. Wen wundert es da, wenn sich die orientierungslos gewordene Mitte den Bauernfängern, geistigen Brandstiftern und ihren vermeintlich einfachen Botschaften in Massen zuwendet?

Seit die Krise der Globalisierung, denn sie ist der Auslöser und Grund für unsere momentan kaputte Welt mit ihren zahlreichen ökonomischen und religiös verbrämten Konflikten und Kriegen, erst das europäische Gemeinschaftsgefühl zerstört hat, und nun durch die massenhafte Flüchtlingsbewegung sturmreif gemacht wird, frage ich mich, was die Ursachen für diese fatal-falsche Entwicklung sind? Schaue ich ein halbes Jahrhundert zurück, so erinnere ich mich der ersten großen Einwanderungswelle nach Deutschland, damals von uns höchstselbst ausgelöst, der sogenannten Gastarbeiter. Damals machte uns die CDU geführte Regierung unter Adenauer und Erhardt folgende Milchmädchenrechnung auf: wir benötigen massenhaft Arbeitskräfte, die sich im eigenen Land nicht finden. Also werben wir um diese rund ums Mittelmeer. Aus Portugal, Spanien, Italien, Griechenland und besonders stark aus der Türkei strömten die gewünschten Arbeitskräfte nach Deutschland. Sie sollten für einige Jahre hier leben und vor allen Dingen zu billigen Löhnen arbeiten, und dann, still und leise in ihre jeweiligen Heimatländer zurückkehren. Statt dies zu tun, holten hunderttausende ihre Frauen und Kinder nach, setzten sich hier fest und wurden zur stetig wachsenden, statt heimkehrenden Minderheit im Land.

Meine persönlichen Erfahrungen mit einigen dieser damaligen Einwanderer waren äußerst positiv. Allerdings muss ich einschränken, dass, bevor ich Erfahrungen mit den einfachen Gastarbeitern machte, die in unseren Fabriken, dem Straßenbau oder auf dem Bau schufteten, ich denjenigen teil der Einwanderer kennenlernte, die wir heute dringender denn je benötigen: junge Akademiker.

Es gab seinerzeit ein Austauschprogramm zwischen Deutschland und der Türkei, in dessen Zusammenhang junge türkische Akademiker nach Deutschland kamen, um hier ein Zusatzstudium zu absolvieren, sowie ihre Promotion abzuschließen. Diese sechs jungen Männer, die meine Mutter über einen der jungen Türken kennen lernte, als dieser in einem Laden Probleme beim Einkauf hatte, da sein Deutsch noch sehr unvollkommen war, waren hoch motiviert. Binnen sechs bis neun Monaten erwarben alle mehr oder weniger gute Deutsch-Kenntnisse. Zwei von ihnen – sie wurden später Professoren in Deutschland – sprachen bald nahezu akzentfrei Deutsch. Dennoch hatten alle sechs junge Türken mehr oder minder große Probleme, ihre Dissertation auf Deutsch zu verfassen. Meine Mutter stellte sich ihnen als unentgeltliche Dolmetscherin, Übersetzerin und Korrekturleserin zur Verfügung. Um die Promotion voranzubringen, hatten die jungen Türken ihre Frauen und teilweise ihre kleinen Kinder nachkommen lassen. Meine Mutter hatte dafür gesorgt, dass die kleine Gemeinschaft nah beieinander wohnte, so dass sich in der fremden Umgebung eine kleine verschworene Gemeinschaft bildete, deren Mitglieder auch wir als Deutsche waren.

Auch die nachgereisten Frauen lernten binnen einiger Monate Deutsch. Während die Mehrzahl von ihnen nur minimale Deutschkenntnisse erwarben, lernten die beiden späteren Professorenfrauen unsere Sprache perfekt. Es zeigte sich bereits damals ein Gefälle der Herkunft von Immigranten zwischen Großstadt und ländlichem Bereich. Die sprachbegabten jungen Frauen stammten aus der Metropole Ankara, die anderen aus dem Hinterland, teilweise aus Anatolien. Für die Kinder war meine Mutter wie ein Familienmitglied, Tante – teyze, nannten sie sie. Besonders die ländlichen Frauen waren religiöser als ihre beiden städtischen Pendants, doch äußerte sich das damals, also vor über 50 Jahren nicht im Tragen irgendeines Kopftuchs. Die Frauen waren alle westlich gekleidet. Nie trug eine ein Kopftuch, oder verschleierte sich. Ihre Religiosität äußerte sich nur darin, dass sie ihre Männer an die Gebetszeiten erinnerten und sich strikt an muslimische Essgewohnheiten und -vorschriften hielten.  Unsere türkischen Freunde respektierten uns, unsere Traditionen, unsere Religion, wie wir umgekehrt ihre Religion und ihre daraus abgeleiteten Traditionen respektierten.

Die beiden späteren Professoren, damals noch angehende Doktoranden, waren gemessen an ihren Kommilitonen liberal, weltlich. Beide versuchten Alkohol, beide probierten deutsches Essen, was bedeutete, dass sie auch Schweinefleisch probierten. Dem Alkohol, speziell rotem Wein, sprachen alle diese türkischen Männer ab und an gern zu. Ab und an tadelten ihn die religiös strengeren Frauen, dann pflegte er zu sagen, dies sei eine Sache zwischen Allah und ihm, und Allah habe Verständnis für ihn. Ob wegen des verbotenen Fleisches oder seines Weintrinkens, der Professor, der eine international anerkannte Kapazität auf seinem Fachgebiet wurde, und Rufe an amerikanische wie deutsche Universitäten erhielt, verstarb als erster, recht früh, mit Mitte 50. Sein Kollege, machte zunächst in der Türkei Karriere, schließlich eine bahnbrechende Entdeckung, weshalb er ebenfalls einen Ruf nach Deutschland erhielt. Später hielt er lange Jahre Seminare an der Evangelischen Akademie in Tutzing am Starnberger See. Er liebte Bayern und das Alpenvorland und hatte viele deutsche Freunde.

Als wir nach Stuttgart zogen, lernte ich eine andere Sorte von Ausländern kennen. Speziell im morgendlichen Berufsverkehr, wenn ich mit der Straßenbahn zur Schule fuhr, konnte ich einige der damaligen einfachen Gastarbeiter wahrnehmen, im Sinne des Wortes. Es waren dunkelhaarige, oft sehr gebräunte, also dunkelhäutiger, als Durchschnittsdeutsche, die eine enorme Duftwolke aus Knoblauch und weiteren, mir damals unbekannten Gewürzen, vermengt mit einer Portion Schweiß, um sich verbreiteten. Diese jungen bis mittelalterlichen Männer nutzten die überfüllten Bahnen, um sich bevorzugt an Frauen zu drängen. Mehr als ein Mal beobachtete ich, wie die peinlich berührten Frauen versuchten, den sexuellen Anzüglichkeiten dieser Männer zu entkommen. Weshalb andere Männer oder Frauen dies nicht ebenso wie ich wahrnahmen oder gar einschritten, verstehe ich bis heute nicht. Als Jugendlicher, ebenso groß wie ein Erwachsener, schritt ich bei derartigen Anlässen scheinbar als Einziger ein. Manches Mal genügte ein lautes Ansprechen, um das weibliche Opfer von ihrem Bedränger zu befreien. Wenn das nichts fruchtete, drängte ich den Ausländer mit körperlichem Einsatz von seinem Opfer weg. Äußerst selten wurde ein solcher Mann mir gegenüber aggressiv. Da die Fahrer damals noch aufmerksamer waren als heute, obwohl es noch keine Videoüberwachung gab, hielt dieser in einem solchen Fall unmittelbar an, kam mir zu Hilfe und beförderte den Grabscher auf die Straße. Manche der bedrängten Frauen lächelte gequält, nicht eine einzige bedankte sich für die Hilfe, keine machte von sich aus auf ihre unangenehme Situation aufmerksam. Die anderen Fahrgäste, Frauen wie Männer, schienen nie etwas von den sexuellen Übergriffen mitzubekommen. Ein Phänomen, das bis heute existiert.

Ich vermute, dass es zu Neujahr in Köln und den anderen Städten ähnlich war: es ist kaum vorstellbar, dass andere Besucher, ob Männer oder Frauen bzw. Paare, von den sexuellen Übergriffen nichts mitbekommen haben. Doch wie so oft im Leben, ist sich offensichtlich Jeder selbst der Nächste. Statt einzugreifen, verdrückt sich die Mehrheit der Menschen lieber, aus Angst, ihnen selbst könne im Fall des Eingreifens Aggression entgegen schlagen. Natürlich ist diese Angst nicht ganz von der Hand zu weisen. Es gibt genug Berichte über Helfer, die zusammen geschlagen wurden, oder gar zu Tode kamen, beim Versuch, anderen zu helfen. Dennoch denke ich, hat jeder von uns die Pflicht, anderen Menschen, die sich nicht selbst helfen können, beizustehen.

Meine lebenslange Erfahrung zeigt, dass beherztes Eingreifen und selbstbewusstes Auftreten fast jeden Angreifer in die Flucht schlagen. Diese Erfahrung bestärkte mich mein ganzes Leben lang, auch gegenüber wesentlich größeren, körperlich überlegeneren Menschen aufzutreten, und mich für die Belange eines bedrängten oder gequälten Menschen einzusetzen. In Fällen, in denen ich mich schützend vor andere Menschen stellte – überwiegend Frauen – bin ich nur ein einziges Mal angegriffen worden, von der zuvor geschlagenen Frau und ihrem Partner. In allen anderen Fällen, selbst wenn mir zu mitternächtlicher Uhrzeit in der U-Bahn fünf türkische Jugendliche mit Springmesser gegenüber standen, blieb es bei verbaler Aggression. Meine Erfahrung, selbst eine aggressive Haltung einzunehmen, mit großer Lautstärke zu sprechen, sowie keinerlei Angst zu zeigen, hat bisher immer gewirkt. Gerade Männer, die ihre Aggression gegen Frauen und wesentlich schwächere Männer richten, sind im Grunde erbärmliche Feiglinge. Nur unter Alkoholeinfluss, sowie in der Gruppe mit weiteren Männern fühlen sie sich stark und überlegen. Tritt man ihnen ohne Angst, selbstbewusst gegenüber, und setzt selbst Elemente aggressiven Verhaltens, wie lautes Sprechen, Schreien ein, scheint bei dem Gros dieser Menschen die natürliche Angst, man könne selbst den Kürzeren ziehen, groß genug zu sein, um weitere Aggression zu unterbinden.

Langer Rede kurzer Sinn: mir ist unbegreiflich, weshalb sich keine Männer in der Kölner Neujahrsnacht fanden, um gegen die Grapscher und Räuber vorzugehen. Man kann nicht immerzu nur auf die Polizei warten und vertrauen. Es genügt ein gewisses Maß an Zivilcourage, im richtigen Augenblick, und zahlreiche Situationen lassen sich positiv verändern.