Banken- / Eurokrise und kein Ende

Mit aberwitzigen hunderten von Milliarden Euro wurden 2008 die europäischen Finanzinstitute gerettet – auf Kosten der steuerzahlenden, überwiegend kleinen Leute, die auf Einkommen zwischen 10.000 bis 100.000 Euro treu und brav Steuern zahlen. In der Zwischenzeit wurde uns suggeriert, die Krise sei gemeistert, die Banken saniert und stabil.

Wie stabil diese wirklich sind, haben seither diverse Krisen gezeigt, die griechische, die zyprische, die portugiesische, die spanische, die irländische und nun, wieder wild am Horizont aufflammend die nie endende italienische.

Wegen einer angeblich auf dem Papier nicht vorhandenen Inflation in der Eurozone – de facto kann es jeder normale Mensch beim Einkauf spüren, Lebensmittel und zahlreiche Dinge des täglichen Lebens werden sehr wohl erheblich teurer, also die Inflation , sie galoppiert sehr wohl durch die kleinen Geldbeutel, pumpte und pumpt die EZB seit Jahren und speziell seit Monaten Unsummen von hunderten von Milliarden von Euros in den Markt, um eine bloß auf dem Papier existierende Krise in den Griff zu bekommen.

Trotz einer inflationären Ausweitung der Schulden, trotz den Banken vor acht Jahren geschenkten mehreren hunderten Milliarden Euros, fordert nun vor allen Dingen Italien für seine Banken erneut eine deftige neue, zusätzliche Geldspritze für seine maroden Banken, deren oberfaule Kredite bereits in Höhe von 360 Milliarden Euro in eine sogenannte Bad-Bank ausgelagert wurden. Dennoch tun sich neue Löcher in Höhe von mehr als 100 Milliarden Euro auf, und das dürfte, wie wir wissen, bloß die Spitze des aktuellen Eisbergs sein.

Mit dem abartigen Argument, italienische KLEINSPARER würden zu hunderttausenden ihr sauer Erspartes verlieren, würde die EU und EZB die jüngst beschossene Haftung von Bankaktionären, also ein Gesetz, anwenden. Das Ganze muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Kleinsparer, die über größere Geldbeträge, nämlich Aktien von Banken als 100.000 Euro verfügen, drohen angeblich mit einem Aufstand.

Dabei handelt es sich um Vermögen, Bares, dass dank Einlagensicherungsfond der EZB und nationaler Banken bis 100.000 Euro abgesichert und geschützt ist. Also kämen nur Diejenigen „Kleinsparer“ für Verlusthaftung in Frage, die über mehr als 100.000 Euro im Sparstrumpf verfügen. Dies meint bare, liquide Mittel, nicht das Häuschen in der Toskana, an der Adria oder Riviera, in den Alpen oder im Süden Italiens. Das Immobilienvermögen ist von der in Frage stehenden Bankenhaftung +überhaupt nicht betroffen.

Ich persönlich kenne selbst im angeblich so wohlhabenden Deutschland nicht übermäßig viele Menschen, die neben ihrem Haus oder Eigentumswohnung über einen Sparstrumpf von weit über 100.000 Euro verfügen. Dafür allerdings Familien, in denen aus Gründen der Haftungsbegrenzung die 500.000 bis 1.000.000 Euros auf Kinder, Eltern, Onkel, Tanten, Neffen, Nichten, Großeltern etc. verteilt sind, um in bis zu zehn Fällen auf die 100.000 Euro Haftungsschutz zu kommen. Ähnlich funktionierte es damals, beim 1:1 Umtausch der maroden DDR Mark in D-Mark. Da wurden die entferntesten Verwandten und gute Bekannte eingespannt, um gewaltige Summen aus dubiosen Quellen sauber zu waschen und in den D-Mark Hafen zu retten.

Wie kann es daher bitteschön angehen, dass in einem maroden Staat mit einer rückläufigen Wirtschaft und ständig steigenden Schuldenbergen sich hunderttausende Italiener angeblich enorme Mengen an Bankaktien bzw. deren Schuldverschreibungen sichern können? Ich denke, des Rätsels Lösung ist bei der Mafia zu suchen, und den wirklich Reichen des Landes. Die haben nämlich Risikostreuung betrieben, haben Gelder aus dunkelsten Kanälen und zweifelhafter Herkunft auf möglichst viele ihrer Abhängigen verteilt, um nun die Klaviatur der angeblich massenhaft betroffenen armen Rentner und alleinstehenden Großmütterchen zu spielen, deren Lebensabend in Gefahr sei.

Das ist, nutzt man seinen gesunden Menschenverstand, schlicht Unsinn. Der Durchschnitts-Italiener dürfte froh sein, sein ererbtes Häuschen halten zu können, seine arbeitslosen Enkel und Kinder durchfüttern zu können, und eventuell noch ein paar tausend oder zehntausend Euro irgendwie gespart zu haben. Ganz bestimmt in der Masse nicht über 100.000 Euro, zudem noch in Schuldscheinen von Banken.

Insofern geht es mal wieder, wie bereits bei der ersten großen Bankenrettung nicht so sehr um den Kleinsparer, der angeblich 100.000 Euro plus auf seinem Konto liegen hat, sondern es geht erneut um die Banken selbst, die seltsamerweise nie in Zeiten exorbitanter Gewinne auf die Idee kommen, dem Staat oder Steuerzahler einen Anteil anzubieten, dafür wie selbstverständlich ihre Verluste aus Zockerei und verfehlter Geschäftspolitik um so lieber auf die Allgemeinheit abwälzen, sowie um das organisierte Verbrechen, das seine mühsam sauber gewaschenen Schwarzgelder nun nicht verlieren möchte.

Also wird das Gespenst der vermögenden Rentner erfunden, deren ganzer Lebensabend von den in Jahrzehnten aufgehäuften Bankschulden bedroht sei, weshalb selbstredend, schnell Gesetze gebeugt, und Marktegeln ausgehebelt werden müssen. Da beim durchschnittlichen italienischen Kleinsparer und Steuerzahler kaum so viel zu holen sein dürfte, möchte man den reichen Norden, sprich die reichen Deutschen, die so blöd sind, seit zehn Jahren zu Hartz IV Konditionen zu leben, um durch die drastischen Ersparnisse des Sozialsystems, ihren Staat nachhaltig zu sanieren, abgreifen.

Es dürfte, selbst wenn, was höchst wahrscheinlich ist, EU und EZB sich auf das trübe Spiel und die Verbiegung selbst aufgestellter Regeln einlassen, nur von kurzer Dauer sein, bevor die mit Schuldenmachen erfahrenen Italiener binnen 5 bis 10 Jahren erneut ein paar hundert Milliarden Euro verzockt haben, und wieder beim Nachbarn aus dem Norden anklopfen werden.

Wie eine EU, die spätestens seit dem Brexit, den nationalistischen Bestrebungen in Frankreich wie Holland, mehr als mit dem Rücken zur Wand steht, sich enttäuschten, frustrierten Bürgern gegenüber sieht, glaubt, eine solche Rechtsbeugung, einen solch neuerlichen Griff in die Taschen der Steuerzahler unbeschadet überstehen würde, ist mir als Normalbürger mehr als schleierhaft.

Weicht die neuen Regeln für Italien auf, versucht die Bürger der EU erneut für dumm zu verkaufen und zu melken – es wird, dessen bin ich sicher, das in sich Zusammenfallen, das Implodieren der EU nur beschleunigen. Für ein paar tausend wirklich von Verlusten betroffener Italiener den deutschen Michel mit seinen rund 40 Millionen Steuerzahlern für dumm zu verkaufen, sollten sich die Herren in Brüssel und Frau Merkel in Berlin sehr wohl überlegen. Denn wenn der Unmut in Deutschland erst einmal um sich griffe, ist unklar, was danach noch übrig bleibt von einer mit deutschen Steuergelder gehätschelten EU und einer den Anweisungen und Bedürfnissen der Industrie folgenden Bundesregierung.

Wie schnell und wohin ein wenig Unmut in Deutschland führen kann, haben die letzten Monate und das An- und Abschwellen der AfD bewiesen. Man sollte den schlummernden Volkszorn, der erschreckenderweise bereits weit um sich gegriffen hat, selbst in Bevölkerungsteilen, die ich für resistent gehalten hätte, nicht unterschätzen. Der deutsche Michel bleibt lange träge, doch wenn er erst mal loslegt, ist nicht sicher, in welche Richtung. Das sollte die Bundesregierung und speziell die EZB berücksichtigen, bevor sie vermeintlich einfache Lösungen einläutet.

Lasst die Leute, die auf so hochspekulative Papiere, wie Bankschulden gesetzt haben, selbst dafür grade stehen. Greift dafür nicht in fremde Geldbeutel. Das wird ziemlich sicher nach hinten los gehen.