Annus Horribilis

Was für ein Jahr, dieses Jahr 2014! Gleich zwei namhafte, bedeutende Sänger verstorben: Joe Cocker und Udo Jürgens

Fremdenangst und Fremdenfeindlichkeit bringt bis zu 17.500 Menschen auf die Straßen, in Deutschland. Welch ein Graus! Der Rubel taumelt dem Bankrott entgegen.

Der sogenannte Islamische Staat überzieht den Nahen Osten mit Krieg, tötet, verschleppt, vergewaltigt tausende Menschen, bringt das finsterste Mittelalter zurück, mit Hinrichtungen, Versklavung, Mord, Totschlag, dem bewussten Ignorieren von Rechtsstaatlichkeit, Moral und Anstand.

Ein Staat und dessen Präsident – Russland – überfallen ihr Nachbarland Ukraine; besetzen und annektieren Teile dessen Staatsgebiets, zetteln einen Krieg an, schicken Soldaten, Waffen und ihren Geheimdienst, um das Land zu destabilisieren, versuchen große Teile des Landes zu besetzen und ihrem eigenen Staat einzuverleiben. Das, obwohl eben dieses Russland zwanzig Jahre zuvor einen völkerrechtsverbindlichen Vertrag in Budapest eingegangen ist, indem es sich als Schutzmacht der Grenzen sowie der territorialen Integrität der nun überfallenen und okkupierten Ukraine verpflichtet hat. Das zeigt, wie wenig selbst ein international verbindlicher Vertrag für ein Land wie Russland, für dessen undemokratischen Präsidenten, für dessen undemokratisches Parlament zählt.

Ebola, die neue Geißel Gottes, die zweite, große Heimsuchung nach der Pest des Mittelalters, hält Teile Afrikas mit tödlicher Gewalt umklammert, und schickt sich an, auf andere Länder bzw. Kontinente überzugreifen. Mehr gewaltsame Konflikte und Kriege weltweit, als die Jahrzehnte zuvor. Frauen die versklavt werden, Kinder die als Arbeitssklaven oder Kindersoldaten verheizt und um ihre Kindheit betrogen werden. Präsidenten und Armeen, die ihr eigenes Volk, ihre eigene Bevölkerung abschlachten, vertreiben, vernichten.

Was für ein entsetzliches, schreckliches Jahr, Annus horribilis, das dieser Tage beginnt zu Ende zu gehen.

Hoffen wir, dass die Welt mehr selbstkritische, selbstreflektierte Führer bekommt, wie Papst Franziskus, der sich nach einer schonungslosen Analyse anschickt, den vatikanischen Schweinestall auszumisten. Hoffen wir, dass er nicht einer Palastrevolution weichen muss, wie viele, reformwillige Führer vor ihm.

Hoffen wir, das die USA die Kraft und den Mut finden, den alltäglich praktizierten Rassismus im eigenen Land, dessen Vorhandensein sich in zahlreichen Tötungen afro-amerikanischer Mitbürger durch die amerikanische Polizei manifestiert, zu bekämpfen und zu überwinden. Martin Luther King der Zweite wäre dazu hilfreich.

Hoffen wir, dass es uns Deutschen gelingt, die Fremdenfeindlichkeit und Angst vor Überfremdung zu überwinden, und überzugehen zu einer Willkommens- und Integrationskultur, die unserer wohlsituierten Demokratie angemessener wäre, denn die undefinierbaren Ängste und Vorurteile gegenüber Menschen anderer Nationen und Länder.

Gerade wir Deutsche sollten uns daran erinnern, dass wir der Schmelztiegel Europas sind und immer waren, durch unsere exponierte zentrale Lage. Halten wir uns vor Augen, wie viele Menschen aus anderen europäischen Ländern und Kulturen wir bereits im Lauf der Jahrhunderte integriert haben, erfolgreich und positiv für beide Seiten: die französischen Hugenotten, die Salzburger Protestanten, Litauer, denen Ostpreußen zur neuen Heimat wurde, Polen, die im Ruhrgebiet Arbeit und eine neue zukunftsweisende Existenz fanden. Was zwischen Beginn des 18. bis Ende des 19. Jahrhunderts möglich war, sollte unter den ungleich besseren Möglichkeiten des 21. Jahrhunderts doch ebenfalls möglich sein: Immigranten zu integrieren, statt sie zu verteufeln und zu dämonisieren.

Natürlich würde unsere uneingeschränkte Bereitschaft zu integrieren voraussetzen, dass sich Immigranten und Asylanten wirklich und wahrhaftig integrieren wollen, sprich, die deutsche Sprache lernen, sich hier demokratisch und mit Respekt in unserem Gemeinwesen einbringen und engagieren, und mehrheitlich den Wunsch haben, Teil von uns, d.h. Deutsche zu werden. Meinethalben mag die erste Generation zwei Pässe und zwei Staatsangehörigkeiten benötigen, doch anders, als im Fall der bisher größtentiel misslungenen Integration der türkischen Mitbürger, kann und darf es in Zukunft nicht sein, dass die zweite, dritte oder gar vierte Generation der Immigranten ein nationalistisches Eigenleben unter fremder Staatsangehörigkeit führt, statt sich als Teil unserer Gesellschaft zu fühlen.

Mit einem klaren Einwanderungskonzept, wie es klassische Einwanderungsländer besitzen, müssen wir sowohl nach innen wie außen klare Bedingungen formulieren und ein einheitliches Prozedere entwerfen. Wem unter den künftigen Asylanten und Immigranten dieser integrierende Ansatz missfallen sollte, hat dann die Möglichkeit, sein Glück auf Selbstverwirklichung und nationale Integrierung in einem anderen Land zu finden.

Klare Regeln für alle Seiten und Beteiligten, würden vermutlich einen großen Teil der heute ängstlichen Bevölkerung helfen, eine Kultur der Integration zu akzeptieren und zu praktizieren. Daher ist unsere Politik gefordert, die notwendigen gesetzlichen Massnahmen schnell, klar und konsequent zu schaffen. Das ist ein Muss und eine Notwendigkeit, denn längst zeigt die Realität, dass wir, dass Deutschland längst zu einen klassischen Einwanderungsland geworden ist.

Allen Ausländerfeinden und Angsthasen unter uns sollte klar sein, dass die Millionen deutscher Auswanderer der 19. Und 20. Jahrhunderts, die die Ländern Nord- und Südamerikas einwanderten, kaum erfolgreich hätten dort bestehen können, hätte ihnen damals derselbe Hass, dieselbe Angst entgegen geschlagen, wie dies aktuell in bestimmten Städten und Regionen Deutschlands gegenüber Immigranten geschieht.

Es würde Deutschland mehr als gut anstehen, das, was deutschen Auswanderern gegeben wurde, heute an die Einwanderer zurückzugeben, indem wir sie willkommen heißen, ihnen helfen, sich zu integrieren, und Teil unserer pluralen, multikulturellen Gesellschaft zu werden.