Paris – Je suis Charlie

Es ist jetzt 50 Jahre her, dass ich zum ersten Mal in Paris sein durfte. Meine Güte, ein halbes Jahrhundert !

Es ist heute erst eine Woche her, dass islamistische Extremisten, sogenannte Dschihadisten, ihren entsetzlichen Doppel-Terror-Anschlag in Paris verübten: auf die Redaktion der Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo, sowie auf ein jüdisches Geschäft.
Damit zielten sie auf zwei der wesentlichsten, essentiellen Grundpfeiler unserer westlich-europäischen Demokratie: auf die Pressefreiheit sowie auf die der Religionsfreiheit zugrunde liegende Toleranz. 17 unschuldige Menschen fanden den Tod.

Paris, die Pariser, die Franzosen und mit ihnen die gesamte Europäische Union zeigte daraufhin in einer bemerkenswerten Demonstration, einem Schweigemarsch von über einer halben Million Menschen, dass sie, dass wir, das das freie, demokratische Europa nicht gewillt ist, sich einen Krieg der Intoleranz, des blindwütigen Hasses unter dem Deckmantel eines Kampfes der Kulturen, ja der Religionen aufzwingen zu lassen. Denn in dem aufgezwungenen Kampf islamischer Extremisten geht es nicht um die Religion, nicht einmal um eine Religion, nämlich den Islam. Es geht den Terroristen schlicht und ergreifend um persönliche Macht, um ihr Streben nach Herrschaft über andere Menschen, Kulturen, Religionen. Dazu bedienen sie sich des Islam, einer Religion, die sie angeblich verteidigen müssen gegen vermeintliche Feinde. 

Dabei war Paris ein denkbar schlechter Ort für diesen barbarischen Terrorakt. Schließlich ist gerade Paris seit Jahrzehnten ein Schmelztiegel der besonderen Art. Hier leben und lebten seit Jahrzehnten Franzosen und Einwanderer aus den ehemaligen afrikanischen wie arabischen Kolonien Frankreichs, Moslems, Christen und Juden einträchtig, tolerant und weltoffen miteinander. Erst die zunehmende Radikalisierung einer bestimmten Strömung innerhalb des Islam hat während der letzten zwei Jahrzehnte dazu geführt, dass es in Paris und seinem Umland zu angeblich religiös motivierten Zusammenstößen kam, die fast immer von gewaltbereiten aufgehetzten Moslems angezettelt und ausgelöst wurden.

Das ist umso trauriger, als die Einwanderer aus den ehemaligen Kolonien gerade in einem Frankreich, das aus der Französischen Revolution hervorging, weitaus bessere Bedingungen für ihre Integration vorfanden, als dies in manch anderem Land der EU der Fall ist.

Wir dürfen es deshalb nicht zulassen, weder in Frankreich, noch in Deutschland, dass ein paar wenige Radikale uns unter dem Deckmantel einer von ihnen missverstandenen Religion aufzwingen, unseren demokratischen Idealen abzuschwören, uns auf ihr barbarisches Niveau von Auge um Auge, Zahn um Zahn zu begeben. Dennoch müssen wir uns zur Wehrt setzen – mit rechtsstaatlichen Mitteln – und für unsere Werte und Ideale, aber auch für die freie Ausübung aller Religionen, kämpfen. 
In dieser Hinsicht ist eine Zeitschrift wie Charlie Hebdo ein wichtiger Pfeiler in einer aus den Fugen geratenen Welt. Sie verdient unsere Unterstützung und unseren Respekt. Je suis Charlie.