Flugzeugabsturz in den Alpen oder wann stürzt Griechenland hinterher?

Eine Katastrophe jagt die nächste, derzeit, in Europa, auf der Welt.
Was sich diese Woche beim Germanwings-Flug 4U9525 ereignete, stellt eine ähnliche Tragödie dar, wie der Abschuss des Flugzeugs über der Ukraine im letzten Jahr. Waren es im letzten Fall die von Russland ausgelösten kriegerischen Spannungen in der Ostukraine, die den Tod hunderter Menschen verursachten, war es im Fall von Germanwings wohl der Co-Pilot, der im Zusammenhang mit seinem Selbstmord 149 unschuldige Menschen tötete.

Es ist nicht zu begreifen, was einen jungen, eventuell psychisch kranken Mann dazu gebracht hat, das ihm anvertraute Flugzeug, sowie seine Verantwortung über das Leben von 149 ihm anvertrauten Menschen zu ignorieren und einem unstillbarem Drang, sich selbst mitsamt dem Flugzeug und 149 unschuldigen Opfern in den Freitod zu stürzen.

Herrschte zunächst unendliche beklommene Betroffenheit ob eines vermuteten technischen Defekts vor, brachte die entsetzliche Erkenntnis eines Selbstmords einen vollständigen Umschwung der Befindlichkeit und Empfindungen. Wut, blanker Hass artikulierte sich über die sozialen Medien. Die eigene Gefühlslage ist angesichts der unverständlichen, nicht nachvollziehbaren Tat ambivalent und seltsam gedämpft. Einerseits versucht man mit den Angehörigen, Freunden und Verwandten der ermordeten Opfer zu fühlen. Gleichzeitig fällt es schwer, gegenüber dem Täter, der sich mit seiner fürchterlichen Tat in die traurig-trostlose Riege der Massenmörder gemordet hat Verständnis zu empfinden. Eher herrscht wütendes Unverständnis und anklagende Aggression vor.

Noch schwerer fällt, von dieser menschlich so unfassbaren Tragödie überzuleiten zu Griechenland und dessen akuten finanziellen Problemen. Während der eine, entsetzliche,  schmerzliche Absturz bereits stattgefunden hat, 149 unschuldige Opfer getötet, ermordet wurden, steht die Tragödie des griechischen Absturzes kurz vor seiner Ausführung.

Als ich vor Wochen über die griechische Misere schrieb, konnte ich kaum ahnen, dass die vor wenigen Wochen an die Macht gekommene Laienspieler-Truppe das bisherige Ausmaß noch würde locker toppen können. Wie verroht inzwischen die Umgangsformen innerhalb des gemeinsamen Wirtschafts- wie Währungsraums dank dieser Halbstarken mit ihrem ausgeprägten, tiefsitzenden Minderwertigkeitskomplex geworden sind, mussten wir tagtäglich lesen, hören, sehen. Mittlerweile gehört offizielle Erpressung, Drohung, Beleidigung und Herabwürdigung anderer Regierungen zum Repertoire einer amtierenden Regierung im angeblich zivilisierten Europa, zudem der Regierung eines Landes, das das Mutterland aller Demokratien ist: Griechenland.

Statt die Zeit zu nutzen, zu verhandeln und die mehr als drängenden Probleme durch gesetzgeberische Maßnahmen anzugehen,  hielt es die Laientruppe aus Athen für opportun, fast alle Regierungen Europas gegen sich aufzubringen, sich in persönlich herabwürdigenden Drohungen gegen ebenfalls mit Mehrheit ins Amt gewählte Regierungen und Politiker zu ergehen, auf der übelsten nationalistischen Klaviatur alt hergebrachter Vorurteile zu spielen, das Nazi-Monster von der Leine zu lassen, und dumm dreist zu behaupten, nicht Griechenland sei für die eigenen aufgehäuften Schulden und die daraus erwachsenen Probleme verantwortlich, sondern die anderen EU Partner, allen voran Deutschland..

Statt auf diese unwürdigen, ehrenrührigen Anwürfe angemessen zu reagieren, nämlich sie öffentlich und offiziell seitens der EU Staatengemeinschaft zu verurteilen, kann der Kommissionspräsident Juncker gar nicht genug Verständnis und Entgegenkommen an den Tag legen; und Kanzlerin Merkel übergeht all die Unverschämtheiten und Beleidigungen indem sie sie ebenfalls weder rüffelt, ja den Oberlaien gar mit militärischen Ehren empfängt und ihm sieben Stunden ihrer kostbaren Zeit schenkt. Inzwischen hat die Laientruppe  der unerzogenen Halbstarken in Athen es geschafft, ihr Land direkt an den Abgrund zu führen, es in eine nahezu tragisch unbewegliche finanzielle Situation zu manövrieren, dass der finale Absturz nur noch eine Frage von Tagen zu sein scheint. Und wieder können sich die Laienspieler aus Athen nicht verkneifen, neue Drohungen und Ultimaten zu verbreiten, anstatt sich wenn schon nicht bußfähig, so wenigstens aufgeschlossen auf ihre helfenden Kreditgeber zuzubewegen.

Für mich steht der Absturz Griechenlands nach dieser bravurösen Leistung seiner Laientruppe unmittelbar bevor – sollte nicht im letzten Moment die Phalanx der EU und Kreditgeber auf das eklige – angeblich geopolitische Spielchen – der Brandstifter aus Athen eingehen. Die Folgen des Einknickens und Nachgebens werden wesentlich katastrophaler und spürbarer sein, als den letztlich notwendigen Graccident oder Grexit geschehen zu lassen. 

Der Absturz Griechenlands kommt so sicher, wie das Amen in der Kirche. Die Frage ist nur, wie lange und wie viel Geld die Troika noch dem bereits verbrannten hinterher werfen will, um ein paar Tage, ein paar Wochen Aufschub zu ermöglichen. Mit Selbstmördern lässt sich nicht rational verhandeln. Und für mich verhalten sich die halbstarken Laien aus Athen wie Selbstmörder. Das Tragische: sie haben nicht bloß 149 Passagiere als Geiseln, sie zocken mit dem Schicksal des griechischen Volkes ebenso unbekümmert, wie mit dem der restlichen EU Länder. Das dürfen verantwortliche Politiker nicht zulassen, auch wenn die Halbstarken noch so viele Drohungen ausstoßen und  mit ihren Wasserpistolen mafiaähnliche Erpressung versuchen.

Enough is enough, das gilt heute mehr denn je. Bleibt zu hoffen, die verantwortlichen Politiker und Banker können noch denken: besser ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende. Last euch nicht von den dummen Sprüchen “Putin ante portas” beeindrucken. Schließlich geht es um die Frage der Zugehörigkeit zur Währungszone, nicht um die EU Mitgliedschaft. Und da gibt es genug Hebel, um selbst halbstarke Rabauken zu disziplinieren. Außerdem, da bin ich mir sicher, werden die momentan verwirrten griechischen Wähler zur eigenen Vernunft zurück finden. Dann wählen sie die Laientruppe ebenso ruckzuck wieder ab, wie sie sie ins Amt gebracht haben. Gefragt sind starke Nerven, Konsequenz und immer daran denken: enough is enough. Jetzt erst recht!