Höflichkeit ist eine Zier …

doch weiter kommt man ohne ihr. Diese banale wie treffende Redewendung kommt mir während der letzten Jahre, speziell in Folge der Corona-Pandemie, öfter in den Sinn.

Dabei verstärkt sich der Eindruck, im Zusammenhang mit der Pandemie, ihren Beschränkungen, Restriktionen, ihren erzwungenen Rückzügen ins Privat-Persönliche, hätte sich der letzte Rest einer vormaligen, vielfach als altmodisch empfundenen HÖFLICHKEIT inflationsartig verflüchtigt.

Zwar registriere ich bereits seit Jahren, im Grunde genommen während der letzten zwei, drei Jahrzehnte, einen schleichenden, dennoch deutlich wahrnehmbaren Rückgang an dem, was früher unter dem Begriff Höflichkeit subsumiert wurde, doch scheint mir, im Zusammenhang mit der, seit 18 Monaten anhaltenden Pandemie, seien die letzten Schranken für immer gefallen.

Aktuelle Beispiele:

  1. ein berufsbedingter Kontakt, berufsständischer Kollege, der den Kontakt zu mir von sich aus suchte, dem ich ein Interview gab, für den ich Artikel schrieb – kostenfrei -, der rüpelhaft urplötzlich, ohne jeden Anlaß, meine Mails ignorierte u8nd trotz Nachfrage keinerlei Begründung lieferte.
  2. ein Unternehmensleiter, der, obwohl er es war, der sich zunächst an mich wandte, zwei Schreiben, die beide eine Reaktion erfordern würden, ignoriert, sich weder bedankt, noch Stellung zu einem Vorschlag nimmt.
  3. Ein ehedem befreundetes Ehepaar, Rentner, sprich Menschen, die noch aus eigenen Kindheitstagen ein Mindestmaß an Höflichkeit vermittelt bekamen, wenden sich erst rüde, ohne Begründung ab, und verbreiten in der Folge im Vertrauen mitgeteilte Informationen, diese bewusst verdrehend, um aus ursprünglich Positivem Negatives, sprich üble, böswillige Nchrede zu machen
  4. Eine Verwandte wendet sich mit der Bitte um Informationen an mich, die ich selbstverständlich umgehend erteilte, verbunden mit dem Vorschlag, den lange Zeit eingeschlafenen Kontakt wieder zu beleben. Statt einer wie auch immer gearteten Antwort, Schweigen im Walde.

Unhöflichkeit, ja eher verletzendes, ehrenrühriges Verhalten, wohin man schaut. Für Derartiges kann und darf aus meiner Sicht der Stress durch die Pandemie nicht herhalten, benutzt werden. Was, so frage ich mich und Sie, die Leser dieses Artikels, ist aktuell los? Wodurch wird ein derartiges, um sich greifendes Verhalten ausgelöst, befördert? Was bringt Menschen höheren Alters, gut ausgebildet, der gebildeten Mittelschicht angehörend, dazu, sich wie die buchstäbliche Axt im Wald zu verhalten?

Ich würde gern verstehen, was ein solch inakzeptables Verhalten plötzlich auslöst und offenbar als akzeptabel erscheinen lässt?

Auch wenn Höflichkeit in früheren Zeiten das Privileg der Könige war, so hielten Anstand, Höflichkeit und Benimm während der letzten 230 Jahre, nach Ausbruch der Französischen Revolution Einzug im Bürgertum, sei es der Ober- oder Mittelschicht. Doch seitdem sich die sog. sozialen Medien, das Internet breit gemacht hat, gehen die bisherigen Umgangsformen, einst vom Adel geprägt, dann über 200 Jahre vom Bürgertum adaptiert und gepflegt, rapide und inflationär den Bach hinunter. Es scheint, als reize die vorgebliche Anonymität des Internet, die Atmosphäre des mittelalterlichen Marktplatzes die niedrigsten Instinkte der Menschen, verbannne die über Generationen gepflegte Höflichkeit von der obsolet gewordenen Oberfläche, und bringe die niedrigsten, primitivsten ur- oder steinzeitlichen Instinkte des Menschen zum Vorschein. Mir scheint, als platze die nur oberflächlich verankerte Firnis von Anstand, Höflichkeit und guter Sitte in den sozialen Medien nahezu umfassend ab, und bringe Unhöflichkeit, Niedertracht, Hass, Vorurteile, kurzum alles Negative in der Natur des Menschen zum Ausbruch.

Nie würden es besagte Menschen im persönlichen Umgang und Kontext wagen, sich auch nur annähernd derart unflätig zu benehmen. Doch die Vermeintliche Anonymität des Internets, die Möglichkeit, etwas löschen, ignorieren oder negieren zu können, reicht aus, um den wahren Charakter, das echte Wesen zu zeigen. Verdrängend, dass man dem derart Geschähten, unhöflich Behandelten durchaus bei nächster Gelegenheit wieder persönlich begegnen kann, sprich ihm oder ihr über den Weg zu laufen. Und dann?

Höflichkeit hat und hatte stets etwas mit Rücksichtnahme und Respekt vor dem anderen Menschen zu tun. Höflichkeit ist eines der probaten sozialen Gleitmittel, die ein Miteinander überhaupt erst ermöglichen und erträglich machen. Andernfalls wird in Zukunft verstärkt ein weiteres Sprichwort zur Anwendung kommen: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Keil. Ob das den Unhöflichen dieser Welt bzw. dieser Pandemie bewusst ist? Wie werden sie sich fühlen, wenn erst Unhöflichkeit mit Unhöflichkeit vergolten wird, und soziales Agieren und Miteinander zumstressigen Gegeneinander ausartet?

 

 

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