Die Kanzlerkandidatin und das Gleichnis vom Licht

Bevor jetzt Irgendjemand umgehend den Stab über mir bricht, möchte ich mich dergestalt outen, dass ich absolut nichts gegen die Grünen habe; im Gegenteil habe ich diese anlässlich von Europa-, Bundestags-, und Landtagswahlen seit über 30 Jahren fast immer gewählt. Insofern greift in meinem Fall von Baerbock-Kritik das Totschlag-Argument vom politischen Gegner, der bloß sein parteipolitisches Süppchen kochen wolle, nicht.

Auch wird mich keiner – so intensiv er meine Artikel und Bücher durchforstet – wegen meiner Kritik an Frau Baerbock so mir nichts dir nichts in die Ecke der Frauenfeinde, Ewiggestrigen, Feinde der Gleichberechtigung etc. stellen können, denn da sind zahlreiche Aussagen von mir und lebenslanges Agieren in entgegen gesetzter Richtung vor.

Wenn ich daher ein zweites Mal aktiv werde, um mich zum Verhalten von Kanzlerkandidatin Baerbock zu äußern, so kann mir Niemand politische Motive unterstellen, da ich als langjähriger Wähler grüne Ziele und Vorstellungen seit den 1970er Jahren teile und seit Ende der 1980er Jahre aktiv unterstützt habe.

Ich bitte diesen Vorspann zu entschuldigen, doch angesichts der aufgeladenen Stimmung in Bezug auf Kanzlerkandidatin Baerbock, bleibt mir keine andere Wahl, um meine Kritik dennoch vorbringen zu können.

Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich keinerlei Vorurteile oder Bedenken hege, nur weil es sich bei Frau Baerbock um eine Frau handelt. Ich bin überzeugt, dass Frauen teilweise einen besseren Job machen als Männer, dass sie im Gegenteil zahlreiche Vorzüge und Merkmale mitbringen, die sie ohne Zweifel zu besseren Vorgesetzten, besseren Gesprächspartnern, und faireren Verhandlern machen, als viele männliche Kollegen. Frauen steht auch in der Regel nicht ihr Testosteron im Weg, um sich in unnötige Konkurrenzkämpfe zu verstricken, wie wir Männer dies ab und an zu tun pflegen.

Für mich zählen Frauen wie Golda Meir, Indira Gandhi, Sirimavo Bandaranaike, Annemarie Renger, Hildegard Hamm-Brücher als Politikerinnen zu jenen Frauen, die ihren männlichen Konkurrenten und Kollegen viel voraus hatten. Doch alle Genannten zeichnete, neben ihrer unvergleichlichen Persönlichkeit aus, dass sie enorm gebildet und sehr gut ausgebildet waren – sprich, sich lange, bevor sie in höchste Führungsverantwortung gelangten, vielfältig ausgezeichnet und hervorgetan hatten. Keine von ihnen hat später die in sie gesetzten hohen Erwartungen im Amt enttäuscht.

Damit wären wir zurück bei Annalena Baerbock. Wer ihren mageren Lebenslauf, speziell nachdem er entkernt wurde, begutachtet, sollte sich, unabhängig davon, ob er Anhänger des grünen Lagers oder des der politischen Gegner ist, fragen, wozu ein derartiger Lebenslauf ohne jegliche herausragenden beruflichen oder persönlichen Merkmale prädestinieren kann?

In meinen Augen nur zu einer mittelprächtigen Funktionärskarriere innerhalb eines politischen Apparats, mit niederschwelligen politischen Ämtern wie Abgeordnete – mehr aber auch nicht.

Was vor mehreren Wochen, als wir uns mit den aufgehübschten Merkmalen des Baerbock’schen Lebenslaufs auseinandersetzten, noch nach möglichem Schlechtreden ausgesehen haben mag, hat sich mittlerweile durch und wegen des Verhaltens der Kanzlerkandidatin bestätigt: da existiert eine Person, die ganz offenkundig das Neue Testament, speziell drei der Evangelien gründlich missverstanden hat. Eventuell, weil ihr Konfirmandenunterricht grottenschlecht war, oder weil sie Jesus Christus missverstanden hat. Denn dort heißt es: „Ihr seid das Licht der Welt“. (Johannes 8.12) „Man zündet auch nicht ein Licht an und setzt es unter einen Scheffel, sondern auf einen Leuchter; so leuchtet es denn allen, die im Hause sind“. (Markus 4.21) (Lukas 8.16) „Also laßt euer Licht leuchten vor den Leuten, daß sie eure guten Werke sehen“.

Offenbar hat Baerbock ebenso den Rest des letzten Zitats: „und euren Vater im Himmel preisen“ ausgeblendet, wie die Jesus zugeschriebenen Bibel-Zitate gründlich miss interpretiert. Jesus wollte weiß Gott nicht, dass sich seine Jünger, sprich Christen, hinstellten, und sich selbst als Licht in die Öffentlichkeit stellten, wie dies Baerbock geradezu verzweifelt, mit unzureichenden Mitteln, ihr ganzes mittelprächtiges Leben lang versucht. Jesus ging es vielmehr darum, dass sich seine Jünger mit ihren guten Taten zugunsten Anderer, nicht für sich selbst, in der Öffentlichkeit zeigen sollten, um so für seine Sache, das Christentum zu werben, nicht jedoch in eigener egozentrischer Weise für sich selbst.

Doch wer etwas wie ein solches Gleichnis so gründlich missversteht, wie die grüne Kanzlerkandidatin, dem ist nicht mehr zu helfen. Dem unterlaufen dann eben die herausgestellten „handwerklichen Schlampereien“, wie unwahre, falsche Angaben im Lebenslauf, oder nun, in einem offenbar mit extrem heißer Nadel gestricktem Buch, das sich der neuzeitlichen Copy and paste Kultur von Wikipedia und Co. verpflichtet fühlt, und eben nicht, wie vorgegeben, der grünen Idee, den Anhängern der grünen Partei, den potentiellen Wählern, sondern mal wieder einzig und allein der zwanghaften Anstrahlung der eigenen Person – Licht auf dem Leuchter, statt unterm Scheffel – und des offenkundig erheblich unterentwickelten Selbstwertgefühls. Denn nur, wessen Selbstwert heftig angeknackst oder unterentwickelt ist, muss permanent zwanghaft versuchen, in erster Linie sich selbst und seiner Umgebung das Gegenteil vorzumachen, bzw. beweisen zu wollen.

Es tut mir leid. Bereits nach der Arie um den unzulässig verschönten Lebenslauf hatte sich Frau Baerbock in meinen Augen und für meinen Geschmack bereits selbst demontiert und für alles andere als fürs Kanzleramt empfohlen. Nun, nachdem sie selbst mit Hilfe eines professionellen Ghostwriters wenig mehr als copy and paste zu bieten hat, da offensichtlich außer den fremden Federn, mit denen sich Baerbock so gerne schmückt offensichtlich rein gar nichts eigenes, persönlich Liebenswertes, Herausragendes, für das höchste politische Amt, das unser Staat zu vergeben hat, zu bieten hat, bleibe ich dabei, meine ehemaligen Lehrer, speziell den Lateiner zu zitieren, der im Fall einer solchen Leistung trocken meinte: „Ungenügend. Setzen.“ Und sich aus Höflichkeit verkniff, anzufügen: „Durchgefallen“.

Die Grünen, deren Ziele und politischen Werte ich weitgehend teile, die ich so oft mit meiner Stimme bedachte, wären gut beraten, statt sich trotzig hinter ihre bereits jetzt durchgefallene Kandidatin zu stellen und ihre hohle Selbstinszenierung mitzutragen, sich von diesem Leichtgewicht zu trennen, und einen geeigneteren Kandidaten/Kandidatin zu präsentieren. Die Partei verfügt doch weiß Gott über echte Profis mit all dem, was der Spitzenkandidatin abgeht – nicht, weil sie eine Frau ist, sondern wegen ihrer nichtssagenden Persönlichkeit und ihres bisherigen mehr als mittelprächtig-durchschnittlichen Lebens. Wir brauchen keinen weiblichen Felix Krull im Kanzleramt, sondern eine/n gestandene/n Profi. Dass Baerbocks Konkurrenten Scholz und Lachet diese Alternative nicht sind, steht auf einem anderen Blatt, als dem der Frau Baerbock.

Keiner der zur Wahl stehenden Kandidaten hat das Zeug und bringt die Persönlichkeit wie Ausbildung mit, die es bräuchte, um in zunehmend schwierigeren Zeiten einen Scheinriesen wie Deutschland professionell zu regieren. Mein Appell: tauscht alle Drei aus, umgehend!

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